Ingrid Thurnher packt aus

"Sehr verstörend!" Neue ORF-Chefin bricht ihr Schweigen

Nach dem ORF-Skandal übernimmt Ingrid Thurnher interimistisch die Führung. Nun spricht sie über Vertrauensverlust, Krise und ihren Neustart-Plan.
Newsdesk Heute
14.03.2026, 20:48
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Nach dem Skandal rund um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk steht der Sender vor einem Neustart. Mit Ingrid Thurnher hat der ORF eine erfahrene Medienfrau an die Spitze gestellt – zumindest vorübergehend. Die langjährige Journalistin und Moderatorin wurde einstimmig zur interimistischen Generaldirektorin gewählt und soll den Sender nach den Turbulenzen rund um ihren Vorgänger Roland Weißmann stabilisieren. In einem Interview mit der "Krone" spricht Thurnher nun offen über Krise, Verantwortung und die schwierige Aufgabe, den größten Medienbetrieb des Landes wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen.

"Schwerste Krise" für den ORF

Die Situation beschreibt die neue Chefin selbst als eine der schwierigsten Phasen in der Geschichte des Senders. Der ORF befinde sich in einer massiven Vertrauenskrise, ausgelöst durch zuletzt bekannt gewordene Vorwürfe und interne Turbulenzen. Für Thurnher ist klar: Jetzt gehe es darum, den Schaden zu begrenzen und das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. Als sie von dem Skandal erfahren habe, seien "die Vorwürfe, die mir berichtet wurden, natürlich sehr verstörend" gewesen, schildert Thurnher.

Es gebe "so viele gegenseitige Anschuldigungen, die da erhoben wurden, es liegen so viele Dinge in der Luft, dass man dem nur mehr schwer folgen kann". Gleichzeitig betont sie die enorme Bedeutung des Senders für Österreich. Der ORF sei nicht nur ein Medienunternehmen, sondern auch ein Teil der demokratischen Infrastruktur des Landes – besonders in Krisenzeiten spiele er eine zentrale Rolle bei Information und Orientierung der Bevölkerung. Diese Verantwortung wolle sie in ihrer neuen Rolle besonders ernst nehmen.

"Troubleshooterin" im Medienriesen

Thurnher sieht sich selbst in dieser Phase vor allem als Krisenmanagerin. Ihre Aufgabe sei es, rasch Stabilität zu schaffen und den Betrieb zu sichern. Der ORF sei ein riesiger Apparat mit Fernsehen, Radio und digitalen Angeboten – ein komplexer "Mediendampfer", der auch in turbulenten Zeiten weiter funktionieren müsse. Dabei gehe es nicht nur um organisatorische Fragen, sondern auch um das Klima im Unternehmen. Die Ereignisse der vergangenen Wochen hätten viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erschüttert.

Umso wichtiger sei es jetzt, intern wie extern klarzumachen, wofür der ORF stehe. Ihr zentraler Satz im Interview bringt diese Haltung auf den Punkt: "So sind wir nicht." Damit will sie deutlich machen, dass die jüngsten Vorfälle nicht das Selbstverständnis des Senders widerspiegeln sollen. Wolle sie auch das Gespräch zum ehemaligen ORF-General Roland Weißmann suchen? "Das wird auf jeden Fall irgendwann der Fall sein", so Thurnher. "Ich mache bis Ende 2026 mit aller Kraft, was jetzt zu tun ist. Punkt."

Neustart für den Sender geplant

Die neue Generaldirektorin weiß, dass die kommenden Monate entscheidend sein werden, wie es im Interview heißt. Ziel sei es, den Sender zu stabilisieren und Vertrauen zurückzugewinnen – sowohl bei den Mitarbeitern als auch beim Publikum. Transparenz und klare Kommunikation sollen dabei eine zentrale Rolle spielen.

Der Weg zurück zur Normalität dürfte allerdings kein leichter werden. Der ORF steht unter genauer Beobachtung von Politik, Medien und Öffentlichkeit. Für Thurnher ist dennoch klar: Gerade in einer solchen Situation müsse der öffentlich-rechtliche Rundfunk zeigen, wofür er stehe – für unabhängigen Journalismus, Information und Verantwortung gegenüber der Gesellschaft.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 14.03.2026, 21:06, 14.03.2026, 20:48
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