Tierisches Wunder

Seltene "Eremiten" in Mostviertler Birnbaum entdeckt

Die Entdeckung seltener Eremiten oder Juchtenkäfer in einem alten Mostbirnbaum zeigt wieder, wie wichtig gezielter Naturschutz ist.
Heute Tierisch
03.08.2026, 09:09
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In Seitenstetten (Bezirk Amstetten) wurde in einem durch einen Sturm umgestürzten Mostbirnbaum eine Population des streng geschützten Juchtenkäfers entdeckt. Um die seltenen Käfer zu retten, bargen Experten sowohl die erwachsenen Tiere als auch ihre Larven samt dem von ihnen bewohnten Totholz und siedelten sie an einen geeigneten Standort um.

Der Schutz alter Obstbäume und Streuobstwiesen ist "nicht nur eine Frage der Sortenvielfalt und des Landschaftsbildes, sondern auch des Naturschutzes", sagt Mathias Weis von der LEADER-Region Tourismusverband Moststraße in einer Aussendung.

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Bienen- und Käferrettung

Im Juni hat ein Sturm am Biobauernhof der Familie Sindhuber einen alten Schmotzbirnbaum umgerissen. In einer Höhle im Stamm hat sich ein Bienenvolk eingenistet. Christa und Bernhard Sindhuber haben den Baum deshalb vorsichtig geöffnet, um die Bienen zu retten. Dabei sind ihnen auffällig große Larven und mehrere dunkel glänzende Käfer aufgefallen. Biologe Weis, der selbst aus Seitenstetten kommt, hat den Fund bestätigt:

Es handelt sich um den äußerst seltenen "Eremit" oder Juchtenkäfer (Osmoderma eremita). Bis jetzt wurde dieser Käfer im Mostviertel nur ein paar Mal entdeckt. Er verbringt fast sein ganzes Leben versteckt in alten Baumhöhlen. Die Larven entwickeln sich mehrere Jahre lang im sogenannten Mulm, also in zersetztem Holz in den Stammhöhlen.

Die Larve ist kaum zu übersehen.
iStock©Tomasz Klejdysz

Unterschiedliche Larvenstadien zeigen, dass in diesem Baum schon seit vielen Jahren oder sogar Jahrzehnten eine große Population gelebt haben muss. Die Entdeckung wurde der Bezirkshauptmannschaft gemeldet. In der angrenzenden Schafweide der Familie hat sich ein alter Mostbirnbaum mit einer passenden Höhle gefunden, damit die Population erhalten bleibt.

„Der Fund zeigt eindrucksvoll, wie wertvoll unsere alten Mostbirnbäume für die Artenvielfalt sind. Was für uns bereits wie ein abgestorbener oder nutzloser Baum wirkt, kann für seltene Tiere ein unersetzlicher Lebensraum sein.“
Mathias WeisBiologe, LEADER-Region Tourismusverband Moststraße

"Wir waren natürlich überrascht, was da in unserem alten Birnbaum lebt. Als wir erfahren haben, wie selten diese Käfer sind, wollten wir unbedingt dafür sorgen, dass sie einen neuen Platz bekommen und weiterleben können", sagen Christa und Bernhard Sindhuber.

"Es ist sehr erfreulich, dass die Familie so verantwortungsbewusst mit diesem seltenen Fund umgegangen ist. Die erfolgreiche Umsiedlung ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt dieser streng geschützten Art in unserer Region", betont Friedrich Hinterleitner, Naturschutz-Sachverständiger der Bezirkshauptmannschaft.

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