Die klassische Handsemmel bekam in Wien nun einen ungewöhnlichen Auftritt: Bei der Ausstellung "Semmelreich" präsentierten zehn Bäckereien aus Wien und Umgebung ihr Handwerk. Zu sehen war die Schau in der ehemaligen Semmelweisklinik in Währing – zu kaufen gibt's die Semmeln natürlich weiterhin bei den Wiener Bäckern.
Bei der Ausstellung ging es aber nicht nur um Gebäck: "Die Handsemmel zeigt sehr schön, was unser Lebensmittelgewerbe ausmacht: Tradition, Können und echte Handarbeit. Hinter einem scheinbar einfachen Produkt steckt viel Wissen und Erfahrung. Gerade deshalb ist es wichtig, dieses Handwerk sichtbar zu machen und seine Leistungen entsprechend wertzuschätzen", so Josef Angelmayer, Innungsmeister des Lebensmittelgewerbes der Wirtschaftskammer Wien.
Parallel zur Ausstellung macht die Lebensmittelinnung auf die wirtschaftliche Situation der Betriebe aufmerksam. Seit 1. Juli 2026 gilt für ausgewählte Grundnahrungsmittel ein Umsatzsteuersatz von 4,9 Prozent. Darunter fallen grundsätzlich auch Brot und Gebäck wie Semmeln. Die Umstellung bringt laut Innung allerdings zusätzliche Arbeit mit sich. Je nach Zusammensetzung eines Produkts können unterschiedliche steuerliche Abgrenzungen notwendig sein.
"Eine steuerliche Entlastung ist grundsätzlich zu begrüßen. Sie darf aber nicht dazu führen, dass die Betriebe gleichzeitig mit zusätzlicher Bürokratie und neuen Abgrenzungsfragen belastet werden. Gerade kleine Bäckereien haben keine großen Verwaltungsabteilungen, sondern müssen solche Änderungen im laufenden Betrieb stemmen", so Angelmayer.
Auch abseits der Steuer beschäftigt die Branche ihre Kostenentwicklung. Bäckereien benötigen viel Energie für Öfen, Kühlung und andere Produktionsschritte. Dazu kommen Ausgaben für Rohstoffe, Transport und Logistik. Wetterextreme und Trockenperioden können laut Innung außerdem Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Rohstoffe haben.
"Wenn Energie, Rohstoffe und Logistik teurer werden, kommt eine Steuersenkung bei den Betrieben nicht automatisch als echte Entlastung an. Ein Teil des Effekts kann durch steigende Kosten an anderer Stelle wieder verloren gehen. Deshalb brauchen unsere Betriebe insgesamt verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen", betont Angelmayer. Die Lebensmittelinnung verlangt unter anderem weniger Bürokratie, planbare Bedingungen und wettbewerbsfähige Energiepreise.
"Bäcker zu sein ist ein wunderbarer Beruf. Es ist ein Handwerk, bei dem an vielen Stellen echte menschliche Arbeit, Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt sind. Genau diese Kombination aus Tradition und Können macht unsere Betriebe aus. Damit dieses Wissen auch an die nächste Generation weitergegeben werden kann, brauchen wir Rahmenbedingungen, unter denen sich Ausbildung, Investitionen und Unternehmertum auch tatsächlich rechnen." Die Wiener Lebensmittelinnung vertritt 748 Unternehmen mit 4.667 unselbstständig Beschäftigten und 205 Lehrlingen.