Außergewöhnlicher Fund

Sensation in Ephesos: Rätsel um Baby-Grab gelöst

Österreichische Forscher haben einen außergewöhnlichen Fund in der antiken Stadt Ephesos neu untersucht. Dabei kamen interessante Details ans Licht.
Newsdesk Heute
23.07.2026, 07:54
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Ein Fund aus der antiken Stadt Ephesos in der heutigen Türkei gibt Archäologen neue Einblicke in das Leben – und den Tod – vor rund 1.200 Jahren. In einem stillgelegten Latrinenkanal entdeckten Forscher zwei unmittelbar vor oder nach der Geburt verstorbene Babys. Neue Untersuchungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeigen nun: Die Kinder wurden offenbar nicht achtlos beseitigt, sondern bewusst und liebevoll bestattet.

Das Grab war bereits 2010 bei Ausgrabungen am römischen Odeion, einem antiken Theater- und Konzertgebäude, entdeckt worden. Erst vor Kurzem konnten die Überreste mit modernen bioanthropologischen Methoden umfassend untersucht werden. Damit steht fest: Die Bestattung stammt aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, als die einstige Metropole Ephesos bereits christlich geprägt war.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Hinweise auf Zwillinge

Besonders spannend: Beide Kinder waren nahezu gleich groß und lagen gemeinsam in einem Grab. Für die Wissenschaftler ist das ein starkes Indiz dafür, dass es sich um Zwillinge gehandelt haben könnte.

Bei einem der beiden Babys entdeckten die Forscher zudem eine überzählige Halsrippe – eine äußerst seltene Fehlbildung. Sie gilt als Hinweis auf Entwicklungsstörungen und wird mit einem erhöhten Risiko für Fehl- und Totgeburten in Verbindung gebracht. Weltweit ist dies erst der zweite dokumentierte Fall, bei dem ein solcher Befund bei einem rund um die Geburt verstorbenen Kind nachgewiesen werden konnte.

Grab spricht für Fürsorge

Auf den ersten Blick wirkt der Fundort ungewöhnlich: Die Babys lagen in einem stillgelegten Latrinenkanal. Doch gerade dieser Befund liefert den Forschern wichtige Erkenntnisse.

Der Kanal war damals längst außer Betrieb. Die Kinder wurden in einer geschützten Kammer beigesetzt, das Grab zusätzlich mit Steinplatten verschlossen. Auch die christliche Ausrichtung der Bestattung spricht laut ÖAW gegen die Vermutung, die Kinder seien nach einer ungewollten Schwangerschaft oder gar nach einer Kindstötung heimlich entsorgt worden.

Vielmehr deute alles darauf hin, dass die Eltern ihre verstorbenen Kinder bewusst an einem geschützten Ort begruben. Dass das Grab über Jahrhunderte ungestört blieb, macht den Fund heute besonders wertvoll.

Neue Erkenntnisse über Fundort

Der Fund liefert außerdem neue Erkenntnisse über die Geschichte der antiken Stadt Ephesos. Er zeigt, dass das berühmte Artemision - der heilige Bezirk rund um den Artemis-Tempel - im Frühmittelalter noch zugänglich war. Erst im 13. oder 14. Jahrhundert wurde das Gebiet durch gewaltige Überschwemmungen unter sechs bis acht Meter hohen Flusssedimenten begraben. Dadurch blieb auch das mit Platten versiegelte Grab bis heute erhalten.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.07.2026, 07:54