Von einer "großen Säuberungsaktion" sprechen der türkische Justizminister Akin Gürlek und Innenminister Mustafa Ciftci anlässlich des zehnten Jahrestags des gescheiterten Putschversuchs in der Türkei. Hunderttausende Menschen wurden damals festgenommen, nun sollen rund tausend weitere folgen.
968 Personen mit mutmaßlichen Verbindungen zur sogenannten Gülen-Bewegung werden aktuell in einer landesweiten Aktion gesucht, teilt der türkische Justizminister am Montag mit. Der Kampf gegen das "Netzwerk", das Ankara als "Terrororganisation" und "parallele Staatsstruktur" bezeichnet, werde "mit derselben Entschlossenheit wie am ersten Tag" fortgesetzt, heißt es weiter in einer Stellungnahme mit dem Innenminister. Begründet wird das Vorgehen damit, dass das "verräterische Netzwerk den Fortbestand unseres Staates bedroht".
Am 15. Juli 2016 hatte ein Teil des Militärs versucht, die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan zu stürzen. Bei Kämpfen wurden mehr als 250 Menschen getötet und etwa 2.000 weitere verletzt. Der Putschversuch brach innerhalb weniger Stunden zusammen.
Für den Putschversuch verantwortlich gemacht wurde der damals in den USA lebende Prediger Fethullah Gülen, ein früherer Verbündeter Erdogans. Ankara kündigte an, seine Bewegung vollständig aus Staat und Gesellschaft zu entfernen.
Im Zuge der unmittelbaren Nachwirkungen des Putschversuchs war von der türkischen Regierung für zwei Jahre der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Bei großangelegten "Säuberungen" wurden hunderttausende Menschen festgenommen und zehntausende Beschäftigte aus Sicherheits- und Justizapparat, Bildungswesen, Medien und Diplomatie entlassen.
Erst kürzlich sorgten auch im Vorfeld des am 7. und 8. Juli in Ankara abgehaltenen NATO-Gipfels zahlreiche Festnahmen und Demonstrationsverbote in der Türkei für Kritik.