Bei der Kinderstadt "Wienopolis" im Wiener Rathaus sorgt ausgerechnet ein Wassereis für Aufregung. Eine Mutter kritisiert die Aufdrucke der Süßigkeit als "sexualisiert" und fordert von den Verantwortlichen eine Erklärung. Auch die Wiener FPÖ schaltet sich ein und spricht von einem "Ekel-Skandal".
Seit drei Jahren besucht Mama Sabine (Name geändert) mit ihrer Tochter (10) die Veranstaltung "Wienopolis – Stadt der Kinder". Das Konzept der von "WienXtra" veranstalteten Kinderstadt findet sie grundsätzlich gut: Kinder zwischen acht und 13 Jahren können dort Berufe ausprobieren, arbeiten und ihre Freizeit gestalten.
Am letzten Tag der diesjährigen Veranstaltung wurde übrig gebliebenes Wassereis an die Kinder verteilt – auch an Sabines Tochter. Als die Wienerin (45) die Verpackung genauer betrachtete, war die Überraschung groß. Darauf standen unter anderem Sprüche wie "Lutsch dein Ding", "Saugen und Lutschen erlaubt" und "Nur Hart macht's Spaß".
Sabine zeigt sich empört. Sie empfinde die Sprüche als unpassend für eine Veranstaltung, die sich ausdrücklich an Kinder richtet und möchte den Fall öffentlich machen. "Mir geht es um den Schutz der Kinder. So einen Vorfall darf man nicht verharmlosen", sagt sie gegenüber "Heute". Für sie handle es sich um "eine Form von psychischer Grenzüberschreitung".
Auch die Wiener FPÖ kritisiert die Aktion scharf. Familiensprecherin Ricarda Berger spricht von einer "Entgleisung" und fordert Konsequenzen. "Kinder lutschen unbefangen an diesen Süßigkeiten, während Erwachsene die widerliche Zweideutigkeit sofort erkennen. Das ist keine Unachtsamkeit mehr, das wirkt wie eine gezielte Desensibilisierung und Frühsexualisierung unserer Jüngsten", kritisiert Berger.
FPÖ-Klubobmann Maximilian Krauss nimmt die Stadt Wien und "WienXtra" in die Pflicht. "Das Rathaus darf unter der SPÖ nicht zum Experimentierlabor für völlig deplatzierte Fantasien werden. Dass Steuergeld für eine Veranstaltung eingesetzt wird, bei der die Qualitätskontrolle im Bereich des Kinderschutzes derart versagt, ist ein absolutes Armutszeugnis für Bürgermeister Ludwig und seine Genossen", erklärt Krauss. Er fordert eine "lückenlose Aufklärung" und eine Prüfung, wie die Süßigkeiten überhaupt bei der Kinderveranstaltung verteilt werden konnten.
Kritik an den "Lutsch dein Ding"-Sprüchen kommt auch von der ÖVP Wien. "Es stellen sich ganz konkrete Fragen: Gab es ein Kinderschutzkonzept? Wer hat es freigegeben und wer hat die Umsetzung kontrolliert? Wer hat diese Produkte ausgewählt und freigegeben? Und wie konnte es dazu kommen, dass WienXtra derartige Produkte bei einer Kinderveranstaltung im Wiener Rathaus verteilt?", fragt ÖVP-Wien-Familiensprecherin Sabine Keri.
"WienXtra" entschuldigt sich auf Social Media für den Vorfall. Die Entscheidung für das Wassereis wurde zwar bewusst getroffen, allerdings entsprachen die aufgedrückten Sprüche nicht den Angaben, die "WienXtra" ursprünglich vorlagen. "Die Sorten mit den entsprechenden Sprüchen wurden von den Mitarbeitenden konsequent aussortiert, damit sie nicht in Umlauf kommen und an die Kinder ausgegeben werden", heißt es.
Gegen Ende von Wienopolis sei hier allerdings ein Fehler passiert und genau diese Produkte wurden "versehentlich" ausgegeben. "Das war ein großer Fehler, der nicht passieren darf. Kinderschutz hat für 'WienXtra' und für unsere gesamte Arbeit immer oberste Priorität. Die Botschaften auf diesen Produkten sind mit unseren Werten und unserem Anspruch an Kinder- und Jugendarbeit nicht vereinbar", wird festgehalten.