Männer, Muskeln, Feminismus

Wirbel um "Manifest" – Grüner will neues Männer-Image

Die Grünen verlieren bei jungen Männern zunehmend an Boden. Mit einem neuen "Männermanifest" will ihr jüngster Abgeordneter das ändern.
Hannah  Maier
30.08.2026, 11:01
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Theo Löcker kämpft gegen das Softie-Image der Grünen – mit Hanteln, klaren Worten und einem neuen Blick auf Männlichkeit. Der 22-jährige Wiener Landtagsabgeordnete spricht im "Heute"-Interview über Feminismus, junge Männer und warum Fitnessstudios keine "rechten" Räume bleiben dürfen.

Grüne verlieren männliche Wähler

Die Grünen haben bei jungen Männern ein Problem. Während die Partei bei vielen jungen Frauen punkten kann, laufen ihr männliche Wähler zunehmend davon. Ein Grund, der immer wieder genannt wird: das "Softie-Image" der Partei. Einer, der diese Debatte innerhalb der Grünen anstoßen will, ist Theo Löcker. Der 22-Jährige ist Österreichs jüngster Landtagsabgeordneter, Student – und leidenschaftlicher Bodybuilder.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Mit seinen Auftritten in den Sozialen Medien sorgt Löcker regelmäßig für Aufmerksamkeit. Er zeigt sich beim Training, spricht aber gleichzeitig über Feminismus und Gleichberechtigung. Sein Ziel: Junge Männer erreichen, die sich von klassischer grüner Kommunikation bisher nicht angesprochen fühlen. "Wenn man wirklich junge Männer erreichen möchte, dann muss man sie dort abholen, wo sie sind, und sie nicht belehren", sagt Löcker.

Männermanifest der Grünen

Dass es bei der Ansprache von Männern Nachholbedarf gibt, sehen mehrere grüne Politiker. In einem neuen Männermanifest führender deutscher Grünen-Politiker wird genau diese Frage aufgegriffen. Auch Löcker hat an diesem Papier mitgearbeitet.

Darin üben die Verfasser auch Selbstkritik: Im Kampf für Frauenrechte sei teilweise vergessen worden, Männern ein positives Bild moderner Männlichkeit anzubieten. "Wir haben definiert, was Männer nicht sein sollen: nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend. Aber wir haben vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann", heißt es im Manifest.

Junge Wählergruppe ansprechen

Für Löcker ist genau dieser Punkt entscheidend. "Aus der Perspektive von jungen Männern wurde ihnen viel zu oft erklärt, was sie nicht sein sollen", sagt er. Es brauche aber ein positives Ziel, an dem sich junge Männer orientieren können. "Ihr seid bei den Grünen willkommen. Ihr als Männer, als junge Männer, habt es in der Hand, dass wir diese ganzen Probleme, die wir mit Sexismus haben, lösen können", so Löcker.

Das Manifest sei dabei kein fertiges Parteiprogramm, sondern ein Gesprächsangebot. "Ich glaube, es ist wichtig, dass wir innerhalb der Partei, aber auch mit Leuten auf der Straße diese Gespräche führen", sagt der Grünen-Politiker.

"Ein richtiger Mann darf Gefühle zeigen"

Löcker warnt davor, junge Männer mit der Botschaft zurückzulassen, was sie alles nicht sein dürfen. Denn genau diese Unsicherheit würden andere ausnutzen. Für ihn bedeutet moderne Männlichkeit etwas anderes: Verantwortung, Offenheit und Gleichberechtigung.

„Es ist wahnsinnig viel falsch mit unserem klassischen Bild von Männlichkeit. Das hat furchtbares Leid verursacht.“
Theo LöckerGrüne Wien

"Ein moderner Mann muss sich nicht verstecken, wenn er weint", sagt er. Auch im Alltag brauche es ein neues Rollenverständnis: "Ein moderner Mann versteht, dass man sich in einem Haushalt gleichwertig beteiligt."

"Natürlich bin ich Feminist"

Auf Instagram zeigt sich der Politiker beim Training, spricht aber gleichzeitig über Gleichberechtigung und Feminismus. Für manche wirkt das ungewöhnlich – für Löcker passt es perfekt zusammen.

Theo Löcker von den Grünen Wien im Studio-Interview.
Helmut Graf

"Selbstverständlich bin ich Feminist. Ein Mann mit Muskeln und Feminist zu sein ist kein Widerspruch, sondern das geht richtig gut zusammen", erklärt er . Feminismus bedeute für ihn, "sich stark zu machen für Gleichberechtigung". "Es geht darum, wie du dich als Mann verhältst und ob du dich für Gleichberechtigung einsetzt", sagt Löcker. Ob jemand lackierte Fingernägel trage oder 200 Kilo auf der Bank drücke, sei dabei nebensächlich.

Politik zwischen Hanteln und Social Media

Seine Trainingsvideos sind für Löcker mehr als nur Selbstdarstellung. Er will dort junge Männer erreichen, die mit klassischer grüner Kommunikation bisher wenig anfangen konnten. "Klar ist es ein Spiel mit Klischees, aber ich sehe es als Mittel zum Zweck", erklärt er. Er bekomme regelmäßig Nachrichten von jungen Männern, die ihm sagen würden, dass sie durch seine Videos begonnen hätten, über Feminismus nachzudenken. "Jeder einzelne von denen, ist ein riesiger Gewinn für mich", sagt Löcker.

Auch deshalb geht er bewusst in Fitnessstudios – einen Bereich, der häufig von "Pseudo-Männlichkeits-Influencern" besetzt werde. "Das sind klassische Räume, in denen sich Personen die Unsicherheiten von jungen Männern zunutze machen", sagt er.

"Feminismus ist kein Männerhass"

Der Grünen-Politiker will vor allem mit einem Vorurteil aufräumen: Feminismus richte sich nicht gegen Männer. "Feminismus = Männerhass" sei eine falsche Erzählung. Sein eigenes Motto: "Ich bin Feminist und mag starke Männer."

Gerade junge Männer müssten verstehen, dass sie Teil der Lösung seien. "Es ist viel mehr an uns Männern als an Frauen", sagt Löcker. Auch deshalb will er Männer nicht aus feministischen Debatten ausschließen, sondern aktiv einbinden.

Projekt gegen Einsamkeit

Neben seiner politischen Arbeit beschäftigt sich Löcker auch mit Einsamkeit unter jungen Menschen. Mit seinem "Buddyprojekt" möchte er Jugendliche über Sport zusammenbringen. Viele würden sich nicht ins Fitnessstudio trauen, weil sie Angst hätten, nicht dazuzugehören. Dabei seien gerade erfahrene Sportler oft hilfsbereit.

"Die Leute, die schon lange trainieren, die vielleicht total furchteinflößend ausschauen, meistens die sind, die am hilfsbereitesten sind", sagt Löcker. Mit sogenannten Buddies sollen junge Menschen gemeinsam trainieren und soziale Kontakte knüpfen.

{title && {title} } HTM, {title && {title} } Akt. 30.08.2026, 11:05, 30.08.2026, 11:01
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