Das Bildungsministerium zieht nun Konsequenzen rund um den Verein Derad. Nach der Warnung des Staatsschutzes stellte das Innenministerium die bisherige Unbedenklichkeit des Vereins infrage. Nun wurden laut Bildungsministerium "sofort entsprechende Schritte" eingeleitet, die Zusammenarbeit wurde beendet.
DERAD bot bisher an Schulen ausgerechnet Workshops zur Gewalt- und Extremismusprävention an. Für das kommende Schuljahr 2026/27 waren noch keine Buchungen möglich. Nun wird das Angebot des Vereins aus dem Programm des Bildungsministeriums genommen.
Auch mögliche weitere Kooperationen stehen auf dem Prüfstand. Das Ministerium will klären, ob nachgelagerte Stellen wie Pädagogische Hochschulen noch mit DERAD zusammenarbeiten. Sollte das der Fall sein, würden auch dort Konsequenzen gezogen.
Hintergrund sind Erkenntnisse der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). Der Staatsschutz sieht Anhaltspunkte für einen Einfluss der Muslimbruderschaft auf DERAD. Dadurch werde die bisher angenommene Unbedenklichkeit des Vereins infrage gestellt.
DERAD ist Teil des Bundesweiten Netzwerks Extremismusprävention und Deradikalisierung (BNED) und übernahm im Auftrag verschiedener Bundesministerien Aufgaben bei Deradikalisierung sowie Distanzierungs- und Ausstiegsarbeit. Für das Justizministerium war der Verein insbesondere im Bereich der glaubensbasierten Deradikalisierungsarbeit tätig. Dabei arbeitete DERAD unter anderem mit verurteilten Straftätern und Personen nach deren Haftentlassung.
Das Justizministerium hat seine Zusammenarbeit mit dem Verein ebenfalls beendet. Zudem wurde laut Islamischer Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) von der DSN der Ausschluss von DERAD aus dem BNED beantragt.
Die IGGÖ warnt unterdessen davor, dass durch das Ende der Zusammenarbeit eine Betreuungslücke entsteht. Extremismusprävention und Deradikalisierung seien sensible und gesellschaftlich wichtige Aufgaben. Betroffene, Justiz und Sicherheitsbehörden bräuchten verlässliche Anschlusslösungen. "Extremismusprävention und Deradikalisierung brauchen Kontinuität, Qualität und verlässliche Partner. Eine Lücke in diesem Bereich können wir uns als Gesellschaft nicht leisten", erklärt IGGÖ-Präsident Ümit Vural.