Zwischen den Gräbern am Friedhof Baumgarten spielte sich am 23. Februar eine Tat ab, die Wien nicht loslässt. Eine 64-jährige Frau wurde in den Abendstunden getötet. Eine 14-Jährige gilt als dringend tatverdächtig, für sie gilt die Unschuldsvermutung.
Nur wenige Minuten später begann sich das Drama auch außerhalb des Friedhofs abzuzeichnen. Arthur Altbart (18), Junior-Geschäftsführer eines Bestattungsunternehmens in der Nähe, erlebte hautnah, wie die Nachricht vom Verbrechen eintraf. Um 17.20 Uhr betrat ein Stammkunde völlig aufgelöst das Geschäft. "Er war verwirrt und hat von den Gräbern beim Kastanienbaum gesprochen", erzählt Altbart im Gespräch mit "Heute". Zunächst habe man an ein organisatorisches Anliegen gedacht.
Dann fiel der Satz, der alles veränderte. "Er sagte, eine Frau liegt blutüberströmt beim Grab seiner Frau." Sofort wurden Rettung und Polizei verständigt. Wenige Minuten später lief Altbart gemeinsam mit Einsatzkräften in Richtung der beschriebenen Stelle.
Noch bevor er den Tatort erreichte, kamen ihm mehrere Polizisten entgegen – mit einer jungen Frau in Gewahrsam. In diesem Moment kreuzten sich ihre Blicke.
"Ich sah ihr direkt in die Augen", sagt der 18-Jährige. "Absolut emotionslos." Kein sichtbarer Schock, kein Weinen, kein Zittern. "Ich glaube nicht, dass ihr bewusst war, was sie da jetzt getan hat." Die Szene habe sich eingebrannt. "Sie hat einfach zurückgeschaut. Sie war einfach nur eiskalt!"
Die Jugendliche habe gesprochen, während Polizisten sie befragten. "Sehr langgezogen, fast wie in einem Rausch", erinnert sich Altbart. Er habe nur einzelne Fragen und Antworten mitbekommen. Ob sie die Tat direkt gestanden habe, könne er nicht sagen – "aber die Polizei wusste anscheinend schon, um was es geht". Für ihn steht fest: "Diese Tat ist furchtbar." Eine Erklärung für das Verhalten habe er nicht.
Kurz darauf erreichte er die Stelle zwischen den Gräbern. Rettungskräfte versuchten noch, die 64-Jährige zu reanimieren. "Da war mir klar, wie ernst das ist", sagt er. Ein Friedhof ist ein Ort der letzten Ruhe. Dass hier nun ein Gewaltverbrechen geschah, wird der 18-Jährige nicht vergessen – vor allem nicht diesen einen Blick. "Ich sah ihr in die Augen." Dieser Moment, sagt Altbart, habe sich eingebrannt.