Der Wirbel um den seit Jahren umstrittenen Mastbetrieb in Traismauer (Bezirk St. Pölten-Land) geht weiter. Erst vor wenigen Tagen sorgten Aufnahmen von abgemagerten und kranken Tieren für Entsetzen – "Heute" berichtete. Rund 400 Menschen gingen bei einer Mahnwache auf die Straße und forderten Konsequenzen.
Doch nun kommt die überraschende Wende: Wie "ORF NÖ" berichtet, hat eine neuerliche amtstierärztliche Kontrolle diesen Montag, am 31. August, offenbar keine schweren Missstände ergeben. Die Überprüfung sei laut Bezirkshauptmannschaft St. Pölten "im Wesentlichen unauffällig" verlaufen. Es seien lediglich geringfügige Mängel festgestellt worden.
Auch bei einer Kontrolle am 12. August seien laut Behörde keine Zustände festgestellt worden, wie sie auf den später veröffentlichten Bildern und Videos des "Vereins gegen Tierfabriken" (VGT) zu sehen sein sollen.
Konsequenzen für den Betrieb gibt es damit vorerst nicht. Eine sofortige Schließung sei laut Bezirkshauptmannschaft rechtlich nicht möglich. Das Tierschutzgesetz sehe eine solche Maßnahme in dieser Form nicht vor, berichtet "ORF NÖ".
Aus dem Büro von Tierschutz-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) heißt es, man habe die derzeit vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten ausgeschöpft.
Brisant: Gegen den früheren Betreiber besteht bereits seit 2023 ein Tierhaltungsverbot. Laut VGT soll er dennoch weiterhin im Stall mit Tieren gearbeitet haben. Der Verein erstattete erneut Anzeige gegen den Mann und seine Frau.
Auch gegen die Ehefrau werde laut Rosenkranz ein Tierhaltungsverbot angedroht. Die rund 1.000 Tiere sollen derzeit offiziell von der Tochter der Familie betreut werden.
Der VGT hatte zuvor erneut schwere Vorwürfe erhoben. Auf zugespielten Bildern und Videos waren unter anderem extrem dünne Schafe und Ziegen sowie geschwächte Tiere zu sehen. Der Verein sprach von Tieren, die kurz vor dem Verhungern seien. Andere Aufnahmen zeigten Kühe, die völlig verdreckt in mehrere zentimeterhoher Gülleschicht standen.
Die Aufnahmen hatten auch die Politik auf den Plan gerufen. Die niederösterreichischen Grünen forderten die sofortige Schließung des Hofs und die Abnahme der Tiere. Am 27. August demonstrierten zudem rund 400 Menschen in Traismauer gegen die Zustände und das Vorgehen der Behörden.
Bei der Staatsanwaltschaft St. Pölten ist laut "ORF NÖ" bislang kein Verfahren zu der jüngsten Anzeige eingelangt.