Der Druck auf den Mastbetrieb in Traismauer (Bezirk St. Pölten-Land) wächst weiter. Nach den jüngsten Bildern aus dem Stall gingen am Donnerstagnachmittag rund 400 Menschen auf die Straße. Sie folgten einem kurzfristigen Protestaufruf des "Vereins gegen Tierfabriken" (VGT).
Der Demozug zog durch das Siedlungsgebiet bis vor den Betrieb. Dort endete die Aktion mit einer Mahnwache und Ansprachen.
Demonstranten hielten Schilder in die Höhe, auf denen Sprüche stehen wie: "Tiere sind keine Ware!", "Freiheit für Tiere!", "Betrieb schließen jetzt!" oder "13 Jahre Tierquälerei". Ein Demo-Teilnehmer hatte ein ausgedrucktes Bild mit rotem Klebeband auf sein T-Shirt geklebt, das Kühe in einer flüssigen Güllemasse zeigt, die Kuhaugen weit aufgerissen.
Auf zahlreichen Plakaten richtete sich der Ärger nicht nur gegen die Zustände im Stall, sondern auch gegen die Behörden. "Kontrolliert, dokumentiert, ignoriert?", war etwa auf einem Schild zu lesen.
Was war geschehen? Der Mastbetrieb in Traismauer sorgt seit Jahren für massive Kritik. Bereits seit 2013 wurden dort wiederholt Missstände und Tierleid dokumentiert, heißt es. Gegen den früheren Betreiber gilt seit 2023 ein Tierhaltungsverbot, laut VGT soll er dennoch weiter im Betrieb mit Tieren zu tun gehabt haben – "Heute" berichtete.
Mittlerweile führt seine Frau den Hof, gegen sie läuft ebenfalls ein Verfahren wegen eines möglichen Tierhaltungsverbots.
Neue Aufnahmen sollen erneut schwere Missstände zeigen: Tiere seien vernachlässigt worden, zudem soll die Betreiberin zwei Ziegen mit einer Mistgabel gegen den Kopf geschlagen haben. Der VGT wirft den Behörden vor, trotz zahlreicher Kontrollen nicht konsequent genug eingeschritten zu sein.
David Richter vom VGT sieht darin ein grundsätzliches Problem bei Kontrollen: Solche Vorgänge seien bei einem kurzen Behördenbesuch kaum festzustellen. Auch die Durchsetzung eines Tierhaltungsverbots sei schwierig. Denn kontrolliert werden könne laut Richter oft nur, was die Beamten unmittelbar vor Ort beobachten.
Jetzt sorgt ein weiterer Punkt für Ärger: Nach Angaben des VGT soll seit der Anzeige des Vereins am Montag, dem 24. August, keine neuerliche Kontrolle des Betriebs stattgefunden haben.
Die letzte bekannte Behördenkontrolle war demnach am 12. August. Die vom VGT veröffentlichten Bilder sollen allerdings ebenfalls aus der zweiten August-Woche stammen. David Richter widerspricht deshalb der Darstellung, wonach die Aufnahmen nicht den aktuellen Zuständen entsprechen würden. Seine Kritik: Wenn sich die Situation innerhalb weniger Tage stark verändern könne, müsse auch entsprechend engmaschig kontrolliert werden.
Laut Susanne Rosenkranz (FP), Landesrätin für Natur- und Tierschutz, wurde der Betrieb innerhalb der vergangenen vier Jahre rund 30 Mal kontrolliert. Genau das wirft für den VGT weitere Fragen auf.
Der Verein will wissen, wie oft dabei Verstöße festgestellt wurden und welche konkreten Folgen diese hatten. "Es ist nicht nachzuvollziehen, was noch passieren muss, damit die Behörden endlich durchgreifen können", kritisiert Richter.
Die rund 400 Demonstranten machten am Donnerstag jedenfalls deutlich, was sie erwarten: Der Fall Traismauer soll nicht mit der nächsten Kontrolle erledigt sein.