Franjo von Allmen vor Marco Odermatt – die Schweizer Ski-Stars gaben in der klassischen Gröden-Abfahrt auf der Saslong am Samstag klar das Tempo vor, feierten einen Doppelsieg.
Ein Landsmann hat derweil einen ungewöhnlichen Trick versucht: Justin Murisier. Der Schweizer, der zur Weltspitze in der Abfahrt gehört, ließ am Freitagabend nämlich absichtlich die Startnummern-Präsentation aus, um seinen Platz in der Top-Gruppe – er wäre mit der 15 ins Rennen gegangen – zu verlieren. Als Strafe wurde Murisier nach hinten gereiht und erhielt die Nummer 46. Doch genau das wollte der Schweizer.
Der Grund dafür ist der traditionelle Gröden-Effekt. Bei der Jagd über die Kamelbuckel und die Ciaslat-Wiese sind Jahr für Jahr spätere Startnummern bevorzugt. Im Fortlauf des Rennens kommt nämlich die Sonne hinter dem Langkofel hervor, hat sich der Schatten von der gesamten Strecke verabschiedet. Das macht die Saslong schneller, auch die Sichtverhältnisse werden besser.
Murisier wollte sich genau dies zunutze machen, scheiterte aber. Denn von einem Spitzenplatz war der Sieger von einem Weltcuprennen weit entfernt gewesen, landete trotz seines Tricks auf dem 16. Platz, 1,85 Sekunden hinter Landsmann von Allmen. Der Gröden-Effekt blieb im Rennen am Samstag aus, die Sonne strahlte nicht so stark wie am Freitag vom Himmel, als der Tscheche Jan Zabystran vom 29. Startplatz aus zum Sensationssieg fuhr.
"Ich glaube nicht, dass meine Entscheidung ein Risiko beinhaltet. Ich versuche, meine Chance zu packen. Falls es funktioniert, ist es super und falls nicht, lande ich halt wieder irgendwo auf Platz 23 oder so", meinte Murisier vor dem Rennen im Schweizer Fernsehen. Platz 16 ist für den 33-Jährigen immerhin das geteilt beste Saisonergebnis, nach den Rängen 22 und 23 in den beiden vorausgegangenen Gröden-Rennen.
Nach der Fahrt des Schweizers wird wohl auch der Ski-Weltverband FIS aufatmen. Hätte Murisiers Trick geklappt, hätten dies wohl im nächsten Jahr mehrere Stars probiert.
Am Sonntag und Montag stehen in Alta Badia nun ein Riesentorlauf und ein Slalom auf dem Programm.