Wie tickt Niederösterreichs Jugend? Und wie viel Vertrauen hat sie noch in Politik und Demokratie? Genau darum ging es Donnerstagabend, 17. September, beim dritten Zukunftsgespräch der Initiative "Mein Land denkt an morgen" in Krems.
Dabei kamen durchaus interessante Zahlen auf den Tisch. Laut aktuellen Ergebnissen aus dem Demokratieradar stimmen 83 Prozent der unter 30-Jährigen sehr oder eher der Aussage zu, dass Demokratie trotz ihrer Probleme besser ist als jede andere Regierungsform.
Auch mit der gelebten Demokratie in Österreich sind viele Junge grundsätzlich zufrieden: 69 Prozent bewerten ihr Funktionieren als sehr oder eher gut. Doch beim Vertrauen in die Politik wird das Bild deutlich kritischer.
"Zustimmung zur Demokratie bedeutet nicht automatisch Vertrauen in Politik oder aktive Beteiligung", erklärte Politikwissenschafterin Katrin Praprotnik. Junge Menschen müssten nachvollziehbare Informationen bekommen und tatsächlich erleben, dass ihre Beteiligung etwas verändern könne.
Bundesschulsprecherin Hannah Scheidl machte klar, dass Junge nicht nur dann gefragt werden wollen, wenn es ausdrücklich um Schule oder Jugend geht. "Wir wollen bei jenen Entscheidungen mitreden, die unseren Alltag und unsere Zukunft betreffen", sagte Scheidl. Entscheidend sei, dass Mitsprache nicht nur angekündigt, sondern tatsächlich ernst genommen werde.
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends: Wie bilden junge Menschen ihre politische Meinung, wenn TikTok, Instagram, Algorithmen und künstliche Intelligenz immer stärker bestimmen, welche Informationen sie sehen?
KI-Expertin Julia Eisner warnte dabei nicht vor der Technik an sich, sondern stellte die Kompetenz der Nutzer in den Mittelpunkt. Wer versteht, wie Algorithmen Informationen auswählen, könne Inhalte besser einordnen und selbstständiger entscheiden.
Für Michael Stadlmann vom Innovation Circle steht wiederum fest: "Junge Menschen engagieren sich dann, wenn Beteiligung niederschwellig ist und sie sehen, dass daraus tatsächlich etwas entsteht. Es braucht Räume, in denen junge und erfahrene Stimmen auf Augenhöhe miteinander ins Gespräch kommen." Man dürfe nicht bloß über sie sprechen, sondern müsse gemeinsam mit ihnen gestalten.
Das Land verweist dabei auch auf bestehende Angebote in den Gemeinden und auf Programme zur digitalen Bildung.
Insgesamt sind 2026 fünf Zukunftsgespräche in den Regionen Niederösterreichs geplant. Die Ergebnisse aus Diskussionen, Befragungen und wissenschaftlichen Analysen sollen anschließend in die weitere Arbeit der Initiative einfließen.