Der frühere Rapid-Profi Mert Müldür steht wegen seines bislang nicht abgeleisteten österreichischen Grundwehrdienstes im Fokus. Die FPÖ vermutet eine Sonderbehandlung des türkischen Nationalspielers und fordert nun Antworten von gleich drei Ministerien.
Müldür wurde in Wien geboren und besitzt die österreichische sowie die türkische Staatsbürgerschaft. Seine Fußballkarriere führte ihn von Rapid über Italien zu Fenerbahçe Istanbul. Auf Nationalteamebene entschied sich der mittlerweile 27-Jährige für die Türkei.
Wie die "Krone" berichtet, soll der Verteidiger seit Jahren trotz Einberufungsbefehl seinen Grundwehrdienst in Österreich nicht angetreten haben. In der Vergangenheit soll Müldür dabei unter anderem argumentiert haben, dass der Wehrdienst seine körperliche Leistungsfähigkeit und damit seine berufliche Existenz als Profifußballer gefährden könnte.
Für politischen Wirbel sorgt der Fall nun auch deshalb, weil Müldür mit Fenerbahçe im Sommer für ein Europacup-Spiel nach Österreich einreiste, ohne unmittelbar zum Grundwehrdienst eingezogen worden zu sein.
FPÖ-Sportsprecher Markus Leinfellner vermutet deshalb eine mögliche Sonderbehandlung. Seine Partei brachte Ende September drei parlamentarische Anfragen ein, die an das Verteidigungs-, Innen- und Justizministerium gerichtet sind. Darin verlangt die FPÖ unter anderem Auskunft über Müldürs Wehrpflicht, seine Doppelstaatsbürgerschaft und den bisherigen Umgang der Behörden mit dem Fall. Die Antworten der Ministerien stehen noch aus.
"Verteidigungsministerin Tanner muss diesen Fall lückenlos aufklären. Es kann nicht sein, dass türkische Fußball-Millionäre unserem Rechtsstaat auf der Nase herumtanzen", wird Leinfellner von der "Krone" zitiert.
Das Verteidigungsministerium weist laut dem Bericht den Eindruck zurück, Müldür könne sich dauerhaft seiner Verpflichtung entziehen. Bei seinem Aufenthalt mit Fenerbahçe in Graz sei der Fußballer über die Situation belehrt worden und habe schriftlich bestätigt, dass er einrücken werde.
Der Fall erhält zusätzliche Aufmerksamkeit, während in Österreich über die Reform des Wehrdienstes diskutiert wird. Die Bundesregierung hat eine Verlängerung durch verpflichtende Truppen- und Milizübungen vorgesehen; für die Umsetzung ist im Parlament eine Zweidrittelmehrheit erforderlich. Als Ziel für das Inkrafttreten wird der 1. Jänner 2027 genannt.