Frugale WG spaltet das Netz

Sparen extrem: Diese WG duscht nur alle drei Tage

Eine Berliner WG sorgt mit extremen Spartipps für Wirbel. Die Bewohner teilen sich ein Handtuch und verwenden Duschwasser fürs WC.
Nick Wolfinger
02.09.2026, 23:15
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Wie weit würdest Du gehen, um ein paar Euro zu sparen? Eine Berliner WG liefert darauf gerade ziemlich ungewöhnliche Antworten. Drei Bewohnerinnen zeigen auf dem TikTok-Profil "frugal wg life", mit welchen Regeln sie ihre Ausgaben möglichst niedrig halten wollen.

"Wir duschen nur alle drei Tage. Wer seltener duscht, wird belohnt", erklären sie in einem ihrer Videos. Der Clip verbreitete sich rasant und wurde innerhalb weniger Tage millionenfach angesehen.

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Wiederverwendbares Klopapier

Doch das seltene Duschen ist nur der Anfang. Nach eigenen Angaben teilen sich die drei Bewohnerinnen sogar ein einziges Handtuch. Ihre Begründung: Dieses werde ohnehin nur nach dem Duschen verwendet.

Auch beim Gang aufs WC wird gespart. Das Wasser vom Duschen wird aufgefangen und später für die WC-Spülung verwendet. Bei einem Durchschnittsverbrauch könnte die WG damit in Berlin aufs Jahr gerechnet maximal 150 Euro sparen. Klingt umständlich, wäre aber per se keine blöde Idee.

Ganz im Gegensatz zur folgenden Maßnahme: Statt herkömmlichem Klopapier kommen wiederverwendbare Lappen zum Einsatz. Diese werden gesammelt und anschließend gewaschen.

Gäste sollen fürs Wasser zahlen

Selbst Besucher bekommen die Sparmaßnahmen zu spüren. Beim Ausgang steht laut den Videos eine Schüssel. Gäste können dort freiwillig Geld einwerfen, schließlich hätten sie während ihres Aufenthalts ebenfalls Wasser verbraucht.

Wer bisher noch nicht stutzig wurde, wird es wohl spätestens jetzt: Jede Bewohnerin besitzt angeblich nur eine eigene Gabel, ein Messer und einen Löffel. Abgewaschen wird in einer Schüssel, deren Wasser angeblich nur alle paar Tage gewechselt wird. Sollten wider Erwarten tatsächlich einmal Gäste zum Essen auftauchen, müssten sich diese wohl das Besteck mit ihren Gastgebern teilen.

Handy aufladen beschränkt

Ob das alles wirklich ernst gemeint ist, fragt man sich auch bei dieser Maßnahme: Jeder hat für das Aufladen seines Handys einen fixen Timeslot. Verwendet wird dabei nur ein einziges Kabel. Damit soll nach Logik der WG auch beim Stromverbrauch jeder unnötige Cent vermieden werden.

Je nach Berechnung kostet das vollständige Aufladen eines Smartphones 0,4 bis 0,6 Cent. Angesichts dessen, dass angeblich alle ein iPhone besitzen, erscheint das wohl als absurdester Ansatz, um bei der Handynutzung Geld zu sparen.

Echt oder doch nur Satire?

Unterm Strich läuten dann doch bei vielen Usern die Satire-Alarmglocken. Viele können kaum glauben, dass die WG tatsächlich so lebt. Einige vermuten hinter den immer extremeren Spartipps gezielte Provokation oder Satire.

Ob die Regeln tatsächlich ernst gemeint sind, ist bisher unklar. Eine Anfrage der Schweizer Zeitung "20 Minuten" an die WG blieb unbeantwortet.

Realer Hintergrund

Total abwegig ist die ganze Sache allerdings nicht. Das Phänomen "frugale WG" existiert tatsächlich. Eine frugale WG ist eine Wohngemeinschaft, deren Bewohner besonders sparsam leben. "Frugal" bedeutet genügsam oder einfach. Ziel ist es, die laufenden Ausgaben möglichst niedrig zu halten und dadurch mehr Geld zu sparen oder anzulegen.

Auch in den Kommentaren gaben sich einige als Bewohner frugaler WGs zu erkennen. Diesen gingen die zum Teil sinnlosen, zum Teil hygienisch bedenklichen Spar-Tipps jedoch überwiegend zu weit.

FIRE-Bewegung

Noch weiter als frugale WGs geht die sogenannte FIRE-Bewegung. Ihre Anhänger versuchen, einen möglichst großen Teil ihres Einkommens zu sparen und langfristig anzulegen, um früher nicht mehr auf einen Job angewiesen zu sein.

Dazu gehört etwa, jeden Tag nur eine halbe Scheibe Brot und ein Ei zu frühstücken, abends nie auszugehen und andere stark beschränkende Maßnahmen, um möglichst wenig Geld zu verbrauchen – dafür aber in Anlageprodukte zu investieren und deutlich früher in Pension gehen zu können. Vorausgesetzt, die Investments entwickeln sich, wie erhofft.

Ob geteiltes Handtuch und gesammeltes Duschwasser tatsächlich den Weg zur frühen Pension ebnen, dürfte im Netz jedenfalls noch für reichlich Diskussionen sorgen.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 02.09.2026, 23:15