Personal steigt auf Barrikaden

"Anrufe im Urlaub" – so hart geht es in Spitälern zu

In OÖ wächst der Frust im Gesundheitswesen an. Bei öffentlichen Kundgebungen machten Spitalsbeschäftigte nun lautstark auf ihre Lage aufmerksam.
Lea Strauch
04.12.2025, 05:00
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Es war laut, es war wütend – und für viele längst überfällig: Tausende Beschäftigte der OÖ-Ordensspitäler machten am Mittwoch ihrem Frust in Linz, Wels und Ried Luft. Bei öffentlichen Betriebsversammlungen – zum Beispiel vor dem Spital der Barmherzigen Brüder in Linz – übergaben sie ihre Forderungen samt Tausenden Unterschriften symbolisch an die Entscheidungsträger.

Mitten drin: Sandra Weilnböck von der Nuklearmedizin der Barmherzigen Schwestern in Linz. Sie steht am Mittwoch als Gewerkschafts-Mitglied stellvertretend für viele Kollegen, "weil ich sehe, dass das System auf Anschlag ist", sagt sie gegenüber "Heute".

Unterschiede zwischen Stationen

Urlaub, Karenz, Krankenstand: Jeder Ausfall reiße sofort ein Loch in ein System, das ohnehin am Limit ist. Auch ein Grund: Immer mehr Therapieangebote, immer mehr Patienten – doch "wir sind nicht mehr Personal geworden".

Auf der Nuklearmedizin habe sich die Lage mittlerweile wieder entspannt: Seit Kurzem gibt es dort neue Mitarbeiter und der Arbeitsalltag lasse sich "wesentlich besser" aufteilen. Auf anderen Stationen müsse man aber sehr oft einspringen, wie sie von Kollegen weiß: "Man wird auch im Urlaub angerufen."

Und weil in der Pflege niemand die Kollegen im Stich lassen will, kommen sie meistens auch. "Wir sind alle soziale Wesen – sonst würden wir nicht in diesem Bereich arbeiten." Für die Vollzeitkräfte, sagt Sandra, sei die Belastung inzwischen enorm: "Das Lächeln kommt vielen nicht mehr so leicht über die Lippen."

An die Politik hat sie eine klare Ansage: "Wenn ich Millionen zahle für neue Straßenprojekte und Flughäfen und gleichzeitig sage, für die Pflege ist kein Geld da, weiß ich genau, wo die Prioritäten liegen." Die zuständige Landesrätin Christine Haberlander und Landeshauptmann Thomas Stelzer (beide ÖVP) ließen die Kundgebung übrigens aus – vertreten waren hingegen SPÖ, Grüne und KPÖ.

KV-Verhandlungen am Freitag

Die Forderungen für die nächsten KV-Verhandlungen der OÖ-Ordensspitäler am Freitag sind klar: Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden und reale Lohn- und Gehaltserhöhungen. Denn, so Sandra: "Wir leisten in der Grundversorgung verdammt viel – darum sollten alle so viel verdienen, dass wir davon leben können."

Vor allem die Stundenreduktion würde die Arbeit wieder attraktiver machen, ist sie sich sicher. Unter anderem auch für jene Mitarbeiter, die sich erst entscheiden müssen, welche Ausbildung sie machen wollen. Die wenigen Vollzeit-Arbeitskräfte hätten mehr Erholungsphasen – das Arbeitspensum würde sich auf mehrere Schultern verteilen.

{title && {title} } Lstr, {title && {title} } Akt. 09.12.2025, 10:53, 04.12.2025, 05:00
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