Hinter dem plötzlichen Rücktritt des Grünen Klubchefs im Burgenland steckt eine dramatische Krankheits-Tragödie: Wolfgang Spitzmüller (56), der am Mittwoch bekanntgab, vorübergehend aus dem Landtag auszuscheiden, leidet unter dem Myelodysplastischen Syndrom (MDS).
Dabei handelt es sich um eine seltene Erkrankung des Knochenmarks, die die Blutbildung behindert und Leukämie verursachen kann – Chemotherapie und Knochenmarktransplantation sowie eine monatelange Polit-Pause sind Pflicht. "Zum Glück konnten in der europäischen Datenbank zwei Spender aus Deutschland und Polen für mich gefunden werden", so der zweifache Familienvater dankbar.
Die heimtückische Krankheit war bereits 2020 beim Blutspenden aufgefallen. "Lange Zeit blieben meine Werte weiterhin stabil – bis jetzt: Beim Schneeschaufeln merkte ich, dass ich wirklich außer Atem kam – wie wenn die Kondition plötzlich einsackt", spricht Spitzmüller offen wie nie im "Heute"-Gespräch über den Schock.
Schnell war klar: "Ich fühle mich zwar nicht krank, aber ich muss mich dringend behandeln lassen, da nur jetzt noch gute Heilungschancen bestehen." Am Uniklinikum Graz stehen nach der Chemo ("Ich werde wohl meine Haare verlieren und geschwächt sein") und der Knochenmark-Übertragung sechs lange Wochen in einem Isolationszimmer an. Spitzmüllers Immunsystem muss völlig neu aufgebaut werden – "mit allen Risiken, wie bei einer Organtransplantation."
Sechs Monate danach ist es für den Politiker, der mit dem offenen Umgang auf seine Krankheit aufmerksam machen will, "unmöglich, meinen Beruf auszuüben". Am heimatlichen Bauernhof in Oberschützen, auf den sich der 56-Jährige nach dem Spitalaufenthalt mit Frau, Ziegen, Hühnern, Katzen und Hunden zurückzieht, gelten dann strenge Regeln für ihn. "Erstmal gibt es für mich keine Haustiere, keine Zimmerpflanzen und kein rohes Essen."
Zwar will der langjährige Landtagsabgeordnete weiter mit Landtags-Nachfolger und Ex-Pressesprecher Philipp Juranich sowie allen Grünen Kollegen in Verbindung bleiben. "Aber ich werde auch lesen, regenerieren oder vielleicht sogar ein Märchen-Buch schreiben", träumt der leidenschaftliche Spaziergänger schon jetzt von mehr Zeit. Auch für die Natur.
Wenn der Stress jetzt von einem Tag auf den anderen abfällt, "kann es sein, dass ich mich ins Gras fallen lasse oder lange die schönen Frühlingsknotenblumen bestaune, die ich so gerne mit dem Handy fotografiere", so Spitzmüller. Aber er wäre nicht er, wenn er nicht in der schwersten Zeit ehrgeizige Ziele hätte. "Mit Jahresende will ich zurück sein", sagt er und ist dankbar für die vielen Genesungswünsche, erhaltenen Zuspruch und die Unterstützung durch seine Familie.