Skandal in Krankenhaus

Spritzen wiederverwendet – 331 Kinder HIV-positiv

In Pakistan sind Hunderte Kinder nach Routinebehandlungen HIV-positiv getestet worden. Die BBC schleuste Reporter ein, um die Ursache zu finden.
Newsdesk Heute
14.04.2026, 20:25
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"Als wäre er in heißes Öl geworfen worden." Gegen Ende hin war das Fieber des achtjährigen Mohammed Amin so schlimm, dass er draußen im Regen schlafen musste. Nur wenig später starb er – an den Folgen einer HIV-Infektion.

Der Bub aus der Provinz Punjab in Pakistan ist kein Einzelfall, wie die BBC berichtet. 331 Kinder konnten identifiziert werden, die nach Behandlungen im Krankenhaus der Stadt Taunsa (115.000 Einwohner) positiv auf HIV getestet wurden.

Spritzen einfach wiederverwendet

Schon Ende 2024 kamen entsprechende Vorwürfe auf, Ende 2025 fertigten Reporter heimliche Filmaufnahmen an. In den 32 Stunden Filmmaterial aus dem staatlichen Krankenhaus wurden zehn verschiedene Fälle beobachtet, wo Spritzen bei Mehrfachdosenampullen einfach wiederverwendet wurden, wodurch die darin enthaltenen Medikamente möglicherweise kontaminiert wurden.

In vier dieser Fälle wurde ein Medikament aus derselben Ampulle einem anderen Kind verabreicht. Dutzende Male injizierten Ärzte ohne sterile Handschuhe, eine Pflegerin wühlte ohne jeglichen Schutz in einem Behälter für medizinische Abfälle herum. Trauriger Höhepunkt: Als der neue Anstaltsleiter mit den Aufnahmen konfrontiert wurde, zweifelte er deren Echtheit an. "Das Material könnte gestellt sein", so seine Reaktion.

Auf Vorwürfe nicht reagiert

Ein Arzt einer Privatklinik, bei dem 65 bis 70 der betroffenen Kinder in Behandlung sind, hat den Skandal aufgedeckt. Er erinnert sich daran, dass ihm eine Mutter erzählte, ihrer Tochter sei mit derselben Spritze eine Injektion verabreicht worden wie einer mit HIV lebenden Cousine, und dass diese Spritze anschließend bei mehreren anderen Kindern verwendet worden sei.

Für diese These spricht auch der Umstand, dass nur vier der Mütter positiv getestet wurden. Als der Skandal erstmals bekannt wurde, musste der Klinikchef gehen, bekam nur wenige Monate später aber einen neuen Job in der Kindermedizin. Und auch an den Praktiken hat sich den Aufnahmen zufolge wenig geändert.

Nicht der erste Fall

Pakistan hat übrigens weltweit eine der höchsten Raten an therapeutischen Injektionen. Viele davon sind medizinisch unnötig, doch viele Eltern verlangen danach, weil sie denken, nur das helfe ihren Kindern. Ärzte beugen sich diesem Druck oftmals. Ein Mangel an Medikamenten und Hilfsgütern begünstigt unsichere Praktiken.

Schon im Jahr 2019 wurden Hunderte von Kindern in der Provinz Sindh positiv auf HIV getestet, wobei die meisten von ihnen Eltern hatten, die negativ getestet wurden. Der örtliche Kinderarzt Dr. Imran Arbani erklärte gegenüber der BBC, er habe in den Krankenakten wiederholte Klinikbesuche und mehrere Injektionen festgestellt, "also muss die Übertragung in einer dieser medizinischen Einrichtungen stattgefunden haben". Bis 2021 war die Zahl der HIV-positiven Kinder vor Ort auf 1.500 gestiegen – und auch heute noch kommt es zu Neuinfektionen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 14.04.2026, 20:25
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