Pakistani spielte "Robin Hood"

Staat abgezockt – Zuwanderer-Clan will Justiz einkochen

Behörden deckten verdächtige Finanzströme auf. Nun liegt die Anklage gegen mutmaßliche Steuerbetrüger vor. Der Verdächtige will ein Wohltäter sein.
Christian Tomsits
29.09.2026, 05:30
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Ein riesiges Netz aus Scheinfirmen mit Millionen auf Konten und Kuverts voller Bargeld: Nach einem Schlag der Ermittlergruppe "Dolus" und der Corba gegen ein mutmaßliches Betrüger-Netzwerk liegt nun gegen einen Zuwanderer-Clan die erste Anklage der WKStA vor.

Über eine Transportfirma in Gänserndorf (NÖ) sollen ein korpulenter Pakistani, dessen Schwager, ein Iraker mit deutschem Pass sowie ein Inder Rechnungen für Transportleistungen verbucht haben, die nie erbracht wurden. Insgesamt geht es um 302 Scheinrechnungen über rund 4,8 Millionen Euro – und 960.444 Euro Steuergeld, die das Unternehmen als Vorsteuer geltend machen wollte.

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Bei einer Razzia am 25. März klickten für die vier Hauptverdächtige in Wien und Niederösterreich die Handschellen – wir berichteten. Als Schlüsselfigur gilt der 47-jährige Kopf der Bande. Der in der Szene als "Ali" bekannte Pakistani soll die Scheinrechnungen organisiert und über ein Geflecht aus Firmen und Bankkonten abgewickelt haben. Rechnungskäufer überwiesen den vollen Betrag, anschließend wurde das Geld in Bar zurückgeschleust – selbstredend gegen satte Provision.

"Ich lebte sehr bescheiden und spendete das ganze Geld für Waisenkinder in Pakistan", hält sich der von Star-Anwältin Astrid Wagner vertretene Pizzakoch in der U-Haft mehr für einen moderner Robin Hood, als für einen fiesen Betrüger. Tatsächlich soll der Verdächtige oft in die Heimat gereist sein, dort große Essen gekocht und selbst an Arme verteilt haben. "Er ist kein dicker Fisch, die Hintermänner waren ganz andere", betonte Wagner gegenüber "Heute".  Ob der Verdächtige mit dieser Verteidigungslinie auch den Richter einkochen kann – mehr als ungewiss.

Fix ist: Finanzamt und Kripo konnten alle kriminellen Machenschaften noch rechtzeitig stoppen, weshalb es laut Anklage beim Versuch blieb. Dennoch geht es um fast eine Million Euro. Im Netzwerk dahinter sollen ganze 9,17 Millionen Euro geflossen sein. Der Prozess findet Anfang Oktober in Wien statt – lange Haftstrafen drohen. Für sämtliche Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.

ct,29.09.2026, 05:30