Wien könnte bald eine eigene Skisprungschanze bekommen – und zwar ausgerechnet in Hietzing. Der Bezirk will damit die Nachwuchsarbeit der "Wiener Stadtadler" stärken, doch rund um Standort und Kosten ist bereits Streit ausgebrochen.
Denn aktuell ist Training in der Hauptstadt schwierig: Junge Talente müssen für passende Einheiten nach Mürzzuschlag in der Steiermark ausweichen. "Mit einer geeigneten Ganzjahresschanze könnten wir statt 30 dann hunderte Kinder betreuen. Anfragen haben wir genug", erklärt Roland König vom Wiener Skiverband gegenüber der "Krone".
SPÖ und ÖVP in Hietzing haben als Standort den Himmelhof ins Auge gefasst. Dort, am Rand des Lainzer Tiergartens, stand bereits nach dem Zweiten Weltkrieg eine Skisprungschanze, auf der bis 1980 gesprungen wurde. Die geplante neue Anlage soll mit Matten ausgestattet sein und ganzjährig betrieben werden.
Wie viel das Projekt kosten würde, ist allerdings noch offen – und genau das sorgt für politischen Gegenwind. Die Grünen kündigen massiven Widerstand an. "Die Idee einer Schisprungschanze in Zeiten wie diesen wirkt jedoch wie blanker Hohn. Die Stadt Wien kürzt im Gesundheits- und Sozialbereich und dann gibt es plötzlich Geld für eine Schanze?", wettert Klubobfrau Alexandra Steiner.
"Wenn wir Geld für den Sport in die Hand nehmen, dann bitte lieber Sportarten, die sehr viele junge Menschen ausüben und nicht Unsummen für eine Sprungschanze", ergänzt Sportsprecher Christopher Hetfleisch.
Zusätzlich verweisen die Grünen darauf, dass die Schanze in einem Landschaftsschutzgebiet liegen würde. Dort gebe es mehrere geschützte Pflanzen – genannt werden etwa Adria-Riemenzunge, Bienen-Ragwurz oder Türkenbund-Lilie. Auch die Lichtverschmutzung durch eine mögliche Flutlichtanlage wäre für Tiere in der Umgebung "fatal", argumentiert die Öko-Partei.
Für den Hietzinger Bezirksvorsteher-Stellvertreter Marcel Höckner (SPÖ) "machen die Grünen aus einer Mücke einen Elefanten": "Es geht uns ganz klar, um eine seriöse Prüfung, ob die Möglichkeit besteht und wenn ja, was es kostet. So haben wir es auch im Antrag formuliert. Weiters ist es mir wichtig festzuhalten, dass es uns mit diesem Antrag um Nachwuchsförderung geht, und wir daher immer nur von einer Schanze für den Nachwuchs sprechen. Es geht nicht um eine Schanzenanlage wie in Bischofshofen oder am Bergisel in Innsbruck."
Roland König zeigt sich auch offen für Alternativen – für ihn zählt vor allem, dass Wien überhaupt wieder eine Schanze bekommt: "Hier wird nur ganz wenig Boden versiegelt." Die Kosten für das Projekt schätzt der Präsident des Skiverbandes auf etwa zwei bis drei Millionen Euro. Auch private Sponsoren könnten dabei helfen. Als Vorlaufzeit nennt er zwei bis drei Jahre – sofern keine Umwidmung notwendig ist.