Beim 78. Parteitag der SPÖ Wien fordert die Sozialistische Jugend einen klaren Kurswechsel im Umgang mit Jugendkriminalität. Statt härterer Strafen oder einer Senkung der Strafmündigkeit soll künftig Prävention im Mittelpunkt stehen.
Im Antrag stellt sich die SJ offen gegen Forderungen von FPÖ und ÖVP nach strengeren Maßnahmen für junge Straftäter. Härtere Strafen würden das Problem nicht lösen, sondern seien reine Symbolpolitik. Jugendkriminalität habe oft tiefere Ursachen wie Armut, Perspektivlosigkeit oder schwierige Familienverhältnisse.
Gefordert wird daher ein massiver Ausbau von Jugendangeboten: mehr konsumfreie Treffpunkte, Jugendzentren, Parkbetreuung und Streetwork. Jugendliche müssten früh erreicht und begleitet werden, bevor sie überhaupt auf die schiefe Bahn geraten.
Auch die psychische Gesundheit rückt in den Fokus. Die SJ verlangt mehr Therapieplätze, einen Ausbau der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie leistbare psychotherapeutische Angebote. Viele junge Menschen würden derzeit monatelang auf Hilfe warten.
Für Jugendliche, die bereits vor Gericht landen, fordert die SJ die Wiedereinführung eines eigenen Jugendgerichtshofs, welcher 2003 abgeschafft wurde. Dort sollen nicht nur Strafen, sondern vor allem Resozialisierung und neue Perspektiven im Mittelpunkt stehen. Durch den Jugendgerichtshof bestünde die Möglichkeit, dass Jugendliche in einem Verfahren behandelt werden, das ihre soziale Reintegration in den Vordergrund stellt.