Tagelang wurde sie gesucht, am Ende gab es nur noch traurige Gewissheit: Stefanie P. wurde Opfer eines Verbrechens. Im Visier der Ermittler steht ihr Ex-Freund, ein 31-jähriger Slowene. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Nun konnten Kriminalisten den Ablauf jener Nacht im November 2025 genau nachzeichnen.
Am 22. November feierte die 31-Jährige laut "KURIER" ab etwa 22 Uhr in einem Lokal in Graz den Geburtstag einer Freundin. Gegen 3 Uhr früh verschickte sie per Snapchat noch ein kurzes Video an eine Bekannte. Wenige Stunden später machte sie sich mit dem Taxi auf den Heimweg.
Um 6.38 Uhr schrieb sie noch per WhatsApp mit einer Freundin, um 7.06 Uhr folgte eine Sprachnachricht, heißt es im Bericht der Tageszeitung weiter. Es sollte das letzte Lebenszeichen der jungen Frau bleiben.
Laut Ermittlern dürfte ihr Ex-Freund nur wenige Minuten danach in der Wohnung aufgetaucht sein. Gegen 8 Uhr hörte eine Nachbarin Schreie und zuschlagende Türen. Eine weitere Zeugin beobachtete, wie der Mann gegen 10 Uhr eine Art Plane zu seinem Auto trug. Was sich in den Stunden dazwischen genau abspielte, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Bei den ersten Einvernahmen stritt der 31-Jährige jede Beteiligung am Verschwinden seiner Ex-Freundin ab. Er gab sich als besorgter Partner und lieferte unterschiedliche Erklärungen. Doch die Ermittler stießen auf Widersprüche. Nach intensiven Befragungen brach sein Leugnen zusammen. Die Justiz geht von Mordverdacht aus und wertet seine späteren Angaben als Schutzbehauptung.
Der Mann erklärte schließlich, es sei zum Streit gekommen. Seine Ex-Freundin habe laut "KURIER" gedroht, sich mit einem Küchenmesser etwas anzutun. Er habe sie von hinten gepackt und gewürgt, um sie daran zu hindern. Bei einem Gerangel habe sie sich selbst in den Hals gestochen. Durch starkes Zudrücken habe er versucht, die Blutung zu stoppen, heißt es in dem Bericht. Warum er keine Rettung verständigte, konnte er nicht erklären.
Zunächst behauptete der 31-Jährige auch, sein Auto habe auf einem Parkplatz vor einem slowenischen Casino zufällig Feuer gefangen. Später gab er zu, selbst Feuer gelegt zu haben, um Spuren zu beseitigen.
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Er räumte zudem ein, die Leiche in einen blauen Hartschalenkoffer gepackt zu haben - mit diesem war das Paar zuvor in Paris gewesen. Stunden nach der Tat transportierte er den Koffer auf der Rückbank seines Autos von Graz nach Slowenien und versteckte ihn in einem Waldstück nahe dem Wohnort seiner Großmutter. Am nächsten Tag holte er das Gepäckstück wieder hervor und vergrub die Leiche in einem anderen Wald.
Der Beschuldigte, der Stefanie P. seit Februar 2020 kannte und mit ihr eine On-Off-Beziehung führte, wird von den Anwältinnen Ina-Christin Stiglitz und Astrid Wagner vertreten. Von Verteidigerseite heißt es, es habe keine Tötungsabsicht gegeben, man warte auf medizinische Gutachten.
Für den Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.