Polit-Beben in Retz (Bezirk Hollabrunn)! Gemeinderat Rudolf Preyer von der Liste "Wir für Retz" (WFR) hat seinen Rücktritt aus dem Gemeinderat erklärt. Als Grund nennt er den Verkauf des Retzer Althofs an das Land Niederösterreich um einen symbolischen Euro.
"Genug ist genug", erklärt Preyer. Er könne die Entscheidung aus Gewissensgründen nicht mittragen. Besonders stößt ihm auf, dass bestehende Verbindlichkeiten nicht vom Land übernommen werden.
Der Retzer Gemeinderat hatte, wie er selbst in einem schriftlichen Statement erklärt, vorigen Mittwoch, 16. September 2026, die Übertragung des Hotels an das Land beschlossen. Die Stadt begründet den symbolischen Kaufpreis mit einem Gutachten. Wegen des Zustands des Gebäudes und der notwendigen Investitionen werde dem Althof bei einem Weiterbetrieb ein negativer Verkehrswert zugeschrieben.
Nach Angaben der Stadt wären für Sanierung und Modernisierung des Althofs derzeit rund 12 bis 15 Millionen Euro notwendig. Diese Summe könne Retz aus dem eigenen Budget nicht stemmen. Derzeit unterstützt die Stadt die Althof-Gesellschaft laut Gemeinde jährlich mit 290.000 Euro.
Die bestehenden Schulden übernimmt das Land allerdings nicht. Für diese soll laut Stadt ein mit den Banken abgestimmter Tilgungsplan bis 2037 gelten. Genau hier setzt Preyers Kritik an. "Ein Verkauf, der Eigentum aus der Hand gibt, aber die Bürde behält, ist kein Zukunftskonzept", sagt der scheidende Gemeinderat. Er wirft der Mehrheit vor, langfristige Folgen für Retz auszublenden.
Preyer erklärt, selbst eine andere Lösung vorgeschlagen zu haben. Statt eines endgültigen Verkaufs hätte der Althof seiner Ansicht nach über ein Baurechtsmodell entwickelt werden können. Dadurch hätte die Stadt Eigentümer bleiben und gleichzeitig Investitionen ermöglichen können.
Der Immobilien-Kaufmann spricht von einer "fachlich sauberen Lösung", die politisch nicht ernsthaft verfolgt worden sei: "Ich habe versucht, mit Argumenten, mit Zahlen, mit Verantwortung und mit Herz die festgefahrene, politisch motivierte Haltung des Gemeinderats zu durchbrechen. Doch Vernunft prallte auf Parteidisziplin, Sachlichkeit auf Taktik, Gemeinwohl auf Machtkalkül."
Die Stadt selbst zeichnet jedoch ein völlig anderes Bild. Durch die Übernahme durch Niederösterreich sollen notwendige Millioneninvestitionen nicht am Retzer Gemeindebudget hängen bleiben. Das Land werde Eigentümer und übernehme damit laut Gemeinde die Verantwortung für Sanierung und Weiterentwicklung des Standorts.
Der Hotelbetrieb soll bestehen bleiben. Gleichzeitig spielt der Althof eine wichtige Rolle für die Niederösterreichische Landesausstellung 2030, die in Retz stattfinden wird. Preyer betont ausdrücklich, dass er nicht gegen die Landesausstellung sei. Sein Widerstand richte sich gegen die konkrete Konstruktion des Althof-Deals. "Ich kann diesen Weg nicht mitgehen", bleibt er standhaft.