In Bruck an der Mur gehen die Wogen wegen eines geplanten islamischen Gebets- und Kulturhauses hoch. Während die FPÖ gegen das Vorhaben Stellung bezieht, stellt sich die Stadt auf den Standpunkt, dass Fakten zählen. Bürgermeisterin Susanne Kaltenegger (ÖVP) ließ den Verein bereits vom Verfassungsschutz prüfen.
Das Ergebnis: "Es gibt keinerlei Bedenken", sagt Kaltenegger laut der "Kleinen Zeitung". Das Projekt sei der Stadt im Frühjahr erstmals vorgestellt worden – damals noch als Kulturhaus. Seither habe man nicht mehr viel davon gehört. Ein konkreter Bauantrag liegt laut Bürgermeisterin bisher nicht vor.
Die Freiheitlichen wollen bereits vor einem möglichen Grundstückskauf durch den Verein aktiv werden. FPÖ-Vizebürgermeister Raphael Pensl wird dabei von Landtagsabgeordnetem Philipp Könighofer unterstützt. Die Partei verweist auf Befürchtungen in der Bevölkerung und positioniert sich klar gegen das Vorhaben.
Die Stadt ließ unterdessen nach dem ersten Gespräch den Verfassungsschutz die Causa prüfen. "Wir wollen wissen, mit wem wir es zu tun haben", erklärt Kaltenegger. Sollte ein konkretes Projekt eingereicht werden, werde die Stadt dieses als Baubehörde erster Instanz prüfen.
Die SPÖ sieht die Angelegenheit differenzierter. "Wir sind jetzt nicht die ersten Verfechter, dass so etwas unbedingt errichtet werden muss, aber in Österreich gibt es Religionsfreiheit. Diese Leute sind schon seit 15 Jahren hier, das muss man auch sehen", sagt SPÖ-Vizebürgermeister Gregor Tuttinger.
Auch der betroffene Verein meldet sich zu Wort. Obmann Dinan Pusculovic wundert sich darüber, dass kaum direkt mit den Verantwortlichen gesprochen werde – auch vonseiten der FPÖ.
Die bosnische Gemeinschaft in Bruck sei bereits seit Jahrzehnten Teil der Gesellschaft. "Wir sind Europäer, wir haben keinerlei radikale oder islamistische Tendenzen", betont Pusculovic. Er selbst sei in Bruck geboren und voll integriert. Der 44-Jährige arbeitet als Diplomkrankenpfleger und ist als Fußballtrainer aktiv.
Der Verein ist derzeit in der Wiener Straße 92 untergebracht. Die Räumlichkeiten seien allerdings nicht mehr zeitgemäß. "Das ist eine alte Garage und ein Hinterhof, das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Pusculovic. Rund 90 Familien gehören dem Verein an.
Das neue Vereinshaus ist in der Schleppbahngasse geplant. Neben einem Gebetsraum soll es auch ein öffentliches Café und einen Sportraum zum Dartspielen geben. Der Obmann betont, dass kein Minarett geplant sei und der Verein nicht ins Stadtzentrum wolle.
"Man kennt uns ja, wir wollen mit einem neuen Vereinshaus einfach einen Platz haben, wo wir unsere Kultur pflegen können", erklärt Pusculovic. Probleme mit den Nachbarn am derzeitigen Standort gebe es nach seinen Angaben nicht: "Nicht einmal wegen des Parkens, fragen Sie die Nachbarn." Der Grundstückskauf für das geplante Projekt ist bisher nicht über die Bühne gegangen.