Die nächste Teuerungswelle trifft Kärnten! Ab Jänner 2027 sollen die Stromnetzgebühren um fast zehn Prozent steigen. Für einen durchschnittlichen Haushalt bedeutet das rund 50 Euro zusätzliche Kosten. Besonders bitter: Schon jetzt zahlen die Kärntner die höchsten Netzgebühren Österreichs. Jetzt reicht es auch Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ). Er bestellt die Verantwortlichen zum Krisengespräch.
Fellner bezeichnet die Erhöhung als "völlig unverständlich". Am Mittwoch müssen die Chefetagen des Energieversorgers KELAG und seiner Netztochter Kärnten Netz (KNG) in der Landesregierung Rede und Antwort stehen.
Der Landeshauptmann will wissen, warum die Gebühren derart stark steigen und ob sich der Preissprung noch verhindern lässt. "Ich erwarte mir einmal eine Erklärung, das ist das Erste. Das Zweite, was ich mir erwarten würde, ist, gibt es eine Möglichkeit, dass man sagt, welche Stellschrauben könnte man noch drehen, dass diese Preisexplosion nicht so gewaltig ist?"
Seit Jahren müssen Kärntens Stromkunden besonders tief in die Tasche greifen. Begründet wurde das bisher mit dem weit verzweigten Leitungsnetz, das auch entlegene Regionen versorgen muss. Warum die ohnehin hohen Tarife nun erneut derart steigen sollen, ist für Fellner nicht nachvollziehbar.
Auch Energiereferent Sebastian Schuschnig (ÖVP) fordert Antworten. Er will wissen, weshalb Kärnten Netz jene Zahlen vorgelegt hat, auf deren Grundlage die Regulierungsbehörde E-Control die neuen Tarife berechnet hat.
Neben Privathaushalten trifft die Erhöhung auch Kärntens rund 40.000 Unternehmen. Wie hoch deren zusätzliche Belastung ausfällt, ist noch unklar.
"Die Erhöhung der Netzkosten in dieser Höhe war sehr überraschend, weil, wie Sie wissen, haben die anderen Bundesländer deutlich unter Kärnten erhöht und natürlich ist das für den Standort massiv nachteilig und nicht erfreulich", kritisiert Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung.
Fellner fordert unterdessen ein Eingreifen des Bundes und österreichweit einheitliche Netzgebühren. Er kritisiert, dass Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner eine österreichweite Entlastung begrüßt hatte, obwohl Kärnten eine massive Erhöhung bevorsteht.
Auch die Opposition macht Druck. Grünen-Landessprecherin Olga Voglauer wirft der SPÖ vor, notwendige Investitionen jahrelang verschleppt zu haben. FPÖ-Klubobmann Erwin Angerer begrüßt Fellners Vorstoß als "längst überfälligen" Schritt.
Team-Kärnten-Chef Gerhard Köfer fordert eine Überprüfung der Tariferhöhung und spricht von Abzocke: "Es ist keinem Kärntner Stromkunden zu erklären, dass die teuersten Netzkosten Österreichs abermals um zehn Prozent erhöht werden sollen."