"Mussten Maschine abdrehen"

Strompreis explodiert – Hersteller stoppt Produktion

Der große Papierhersteller Heinzelpaper aus Oberösterreich musste wegen extremer Preisschwankungen beim Strom die Produktion zeitweise einstellen.
Newsdesk Heute
05.02.2026, 11:12
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die Industrie ächzt unter den starken Schwankungen beim Strompreis, das allgemeine Wirtschaftswachstum schwächelt. Sebastian Heinzel und seine Unternehmensgruppe sind davon gleich doppelt betroffen.

"Wir machen Verpackungspapiere aus hundert Prozent Altpapier. Wenn es der Wirtschaft gut geht, wenn die Menschen viele Güter kaufen, wenn die Industrie viele Sachen produziert, die verpackt werden müssen, dann geht es auch der Papierindustrie gut", erklärt der Chef von Heinzelpaper seine Abhängigkeit im ORF-"Report" am Dienstag.

Seine Unternehmensholding produziert unter anderem an zwei Standorten bei Laakirchen nahe Gmunden. Über mehrere Geschäftszweige hinweg beschäftigt Heinzel Tausende Mitarbeiter, erwirtschaftet Milliardenumsätze.

Produktion gestoppt

Seit der von Kreml-Kriegstreiber Wladimir Putin ausgelösten Preisexplosion im Jahr 2022 ist Strom insgesamt aber deutlich teurer geworden. Und obwohl der energieintensive Papierhersteller zwar mit mehr als 8000 Solarpaneelen und einem Kleinwasserkraftwerk an der Traun auch deutlich auf grünen Strom setzt, ist er direkt von den Schwankungen am Strommarkt betroffen.

"Die Stromkosten sind DAS eine große Thema", beklagt der Industrielle im ORF-Gespräch. Erst am Vortag habe er eine seiner zwei großen Papiermaschinen für mehrere Stunden abschalten müssen, weil der Strompreis auf 250 Euro pro Megawattstunden (MWh) geschossen ist. "Das ist einfach im Produkt nicht unterzubringen."

"Dann hoffen wir"

Sehnsüchtig schielt er über die Grenze nach Deutschland, da sei der Strompreis zur gleichen Zeit nur bei rund 100 Euro die MWh gelegen. "Das zeigt die besondere Lage, in der wir in Österreich sind", so Heinzel. Im Herbst musste er ein Teilzeitmodell einführen, weil die Produktion derart stark eingeschränkt ist. "Wenn weniger produziert wird, gehen Mitarbeiter vorübergehend in Teilzeit."

Das hat auch finanzielle Folgen: "Jeder im Werk hat circa zehn Prozent weniger verdient. Das ist für jeden Mitarbeiter, der mit 100 Prozent rechnet, irrsinnig schwierig, mit 90 Prozent auszukommen", hält Peter Hofstödter, Betriebsrat am Standort Laakirchen, vor der ORF-Kamera fest. Dennoch unterstütze man die Teilzeit-Maßnahme, die vorerst bis Jahresende 2026 fixiert wurde. "Dann schauen wir mal und hoffen, dass es besser wird."

"Das ist die neue Welt"

Einen Personalabbau will Heinzel jedenfalls so lange es geht verhindern. Der Firmenchef beklagt jedoch Säumigkeit seitens der Politik.

Ein Stromkostenausgleichsgesetz sei im Mai 2025 angekündigt worden, wurde aber bis heute nicht umgesetzt: "Das hängt irgendwo in der Bürokratie. Wir, als Industriebetrieb, können das bis heute nicht beantragen und wissen nicht, wann wir es beantragen können." Ob er schon einen Euro von dem versprochenen Geld gesehen hat? "Null".

Deshalb müsse die Regierung nun zumindest beim angekündigten Industriestrompreis Gas geben. "Da beginnen erst die Verhandlungen... Uns geht es um die Geschwindigkeit der Umsetzung. Die Richtung stimmt, aber es muss ankommen!"

Er und seine Mitarbeiter würden inzwischen alle 15 Minuten den Strompreis kontrollieren und überlegen, ob die Produktion zum jeweiligen Zeitpunkt noch wirtschaftlich ist: "Das ist die neue Welt, in der wir uns befinden."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 05.02.2026, 11:15, 05.02.2026, 11:12
Jetzt E-Paper lesen