Teuerungen treffen Studenten hart: "Heizung bleibt aus"

Die Teuerungen lassen viele Studierende zittern. Um zu sparen, bleibt bei manchen diesen Winter die Heizung kalt.
Die Teuerungen lassen viele Studierende zittern. Um zu sparen, bleibt bei manchen diesen Winter die Heizung kalt.HERBERT NEUBAUER / APA / picturedesk.com
Die Inflation macht jungen Menschen zu schaffen. Eine Studentin erzählt im Interview, wie sich die Teuerungen auf ihren Alltag auswirken.

Steigende Lebensmittelpreise und hohe Energiekosten machen auch vor Studenten und Studentinnen nicht halt. Für viele Studierende wird das neue Semester eine Härteprüfung. So auch für Wienerin Victoria. In der WG der 21-Jährigen beleibt die Heizung kalt. "Wir haben gesagt, dass wir uns im Winter lieber mehrere Pullover anziehen, bevor wir die Heizung aufdrehen", erzählt die Studentin im Gespräch mit "Heute".

"Die Lebensmittel sind teuerer geworden. Mir ist aufgefallen, egal was ich nehme, der Einkauf kostet mich immer zwischen 20 Euro und 30 Euro."

Die 21-Jährige ist vor Kurzem erst in eine neue Wohnung gezogen. "Wir haben bei der Wohnungssuche darauf geachtet, dass die Decken niedriger sind und die Wohnung eine bessere Dämmung hat." Doch nicht nur die Miete und die hohen Energiekosten machen den Studierenden den Alltag schwer.

Heizung bleibt im Winter kalt

"Die Lebensmittel sind auch teuerer geworden. Mir ist aufgefallen, egal was ich nehme, der Einkauf kostet mich immer zwischen 20 Euro und 30 Euro", erzählt die Studentin. Im Monat hat die Wienerin 500 Euro, exklusiv der Miete, zur Verfügung. "Davon kaufe ich Lebensmittel, Bücher, Kleider. Alles, was ich eben brauche. Ich komme damit aus, muss aber sehr sparsam sein. Ich gehe nebenher auch arbeiten."

"Wir haben gesagt, dass wir uns im Winter lieber mehrere Pullover anziehen, bevor wir die Heizung aufdrehen."

Sich Geld anzusparen ist für die junge Frau momentan nicht möglich. Ähnlich geht es auch Grazerin Amina. Die 20-Jährige wohnt noch mit ihrer Mutter in einer Wohnung. "Sie hat schon gesagt, dass wir im Winter wahrscheinlich nicht heizen werden", erzählt die Studentin im Interview mit der "Kleinen Zeitung".

Steigende Mieten werden unleistbar

Die Teuerungen sind in ganz Österreich zum Dauerthema geworden. Im September betrug die Inflation laut Schnellschätzung der Statistik Austria 10,5 Prozent – die höchste Rate seit 70 Jahren. Bei vielen Studenten und Studentinnen stellt sich mittlerweile sogar die Frage, ob sie sich das Studium künftig überhaupt noch leisten können.

"Junge Menschen haben selten Ersparnisse, können sich die ständig steigenden Mieten immer schwerer leisten, geschweige denn, dass sie mit den rasant steigenden Energiepreisen fertig werden."

Die Belastungen der Corona-Pandemie und die finanzielle Unsicherheit wirken sich laut der Arbeiterkammer immer mehr auf die psychische Gesundheit von jungen Menschen aus. Laut dem AK-Arbeitsklimaindex sind Personen unter 25 Jahren deutlich weniger mit ihrem Leben und Job zufrieden als der Durchschnitt.

"Junge Menschen haben selten Ersparnisse, können sich die ständig steigenden Mieten immer schwerer leisten, geschweige denn, dass sie mit den rasant steigenden Energiepreisen fertig werden", betont Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung in der Arbeiterkammer (AK) Wien.

Maßnahmen laut ÖH "zu wenig"

Die AK, die Hochschüler_innenschaft (ÖH), sowie die Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) fordern deshalb nun zielgerichtete Entlastungen für Studierende. Eine zentrale Forderung ist der Teuerungsausgleich für alle öffentlichen Bildungsstätten. "Die Rekordinflation sorgt zum einen dafür, dass sich viele Studierende das Studium sowie die Lebenshaltungskosten noch schwerer leisten können und zum anderen dafür, dass auch die Hochschulen die Betriebskosten kaum stemmen können. Viele wissen einfach nicht, ob sie ihr Studium abbrechen müssen. Die Situation ist noch unsicherer als sie in den letzten Jahren schon war”, so Keya Baier aus dem ÖH-Vorsitzteam über die aktuelle Lage.

Im Video: Lehrermangel – Wiener Klasse saß einen Monat daheim

"Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung kommen nicht bei allen an und sind schlichtweg zu wenig."

Um Studierende zu entlasten, wurde hat die Bundesregierung bereits im August ein Teuerungsausgleich von 300 Euro an Bezieher der Studienbeihilfe bezahlt. Ab 1. September wurde die Studienbeihilfe valorisiert, an die Inflation angepasst und soll ab 1. Januar in Kraft treten. "Die Maßnahmen der Bundesregierung zur Entlastung kommen nicht bei allen an und sind schlichtweg zu wenig", heißt es aus dem ÖH-Vorsitzteam.

Konkret gefordert werden der Ausbau von Familien- sowie Studienbeihilfe, die Abschaffung der Studiengebühren und die finanzielle Unterstützung von Studierendenheimen, um leistbaren Wohnraum für Studierende abzusichern.

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