Du glaubst, im Kühlschrank ist es sauber und sicher? Von wegen. In den Eiskästen der Wiener gedeiht eine erstaunliche Vielfalt an Mikroben - und nicht alle sind harmlos.
Lebensmittelbiologin Evelyne Selberherr vom Zentrum für Lebensmittelwissenschaften der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat 45 Wiener Haushalte unter die Lupe genommen. Mit sterilen Wattestäbchen wurden Proben von den Regalböden der Kühlschränke genommen und im Labor analysiert.
Das Ergebnis: Tausende, vorwiegend kälteliebende Arten, die häufig auf Lebensmitteln vorkommen. Darunter klingende Namen wie "Acinetobacter, Pseudomonas, Psychrobacter und Brochothrix", "ergänzt durch Mikroorganismen aus fermentierten Lebensmitteln sowie typische Vertreter der menschlichen Hautflora".
Doch es blieb nicht bei harmlosen Mitbewohnern. "In 60 Prozent der untersuchten Kühlschränke wurden auch potenziell krankheitserregende Bakterien nachgewiesen", so die Forscherin. Gefunden wurden unter anderem "Bacillus cereus", der Lebensmittelvergiftungen auslösen kann, "Staphylococcus aureus", der meist harmlos ist, aber manchmal schwere Erkrankungen verursacht, sowie Listerien.
Besonders brisant: "Auch Antibiotika-Resistenzgene wurden in zahlreichen Kühlschränken gefunden". Dabei handelt es sich etwa um Gene, die Mikroben vor Penicillin schützen.
Die gute Nachricht: Die Lösung ist simpel, wenn auch nicht glamourös. Je weniger Zeit seit der letzten Reinigung vergangen war, desto "mikrobiologisch sauberer" waren die Ablagefächer. Nur häufiges Putzen könne verhindern, dass sich stabile Mikrobengemeinschaften ansiedeln, erklärt Selberherr im Fachmagazin "LWT – Food Science and Technology".
Überraschend: Die oft empfohlene Maximaltemperatur von fünf Grad spielte eine geringere Rolle als gedacht. Wärmere Kühlschränke waren nicht automatisch stärker belastet.
Vielleicht also heute noch schnell zum Putzfetzen greifen – bevor im Eiskasten mehr los ist als im Mistkübel.