Sie ist die Senkrechtstarterin des ÖSV! Vor der Saison noch ohne Weltcup-Sieg, gewann Julia Scheib in diesem Winter bereits vier Riesentorläufe. Mit 560 Punkten führt sie die Disziplinenwertung klar an, 89 Zähler vor der Schweizerin Camille Rast. Damit gilt sie als das heißeste österreichische Eisen im Kampf um Olympia-Gold in Cortina. Offen ist jedoch, ob die ÖSV-Hoffnung nun auch im Super-G an den Start gehen wird.
"Ein schöner Gedanke", schmunzelte die 27-Jährige im Rahmen der Olympia-Einkleidung. Gespräche mit den Trainern habe es bislang jedoch noch nicht gegeben. Eine erste Entscheidung könnte bereits am Wochenende fallen. Im Super-G von Crans-Montana am Freitag soll die Steirerin an den Start gehen. "Ich möchte das Rennen am Freitag gut mitnehmen, gut Skifahren und gewisse Sachen umsetzen. Danach werden wir weitersehen."
Vonseiten des ÖSV ließ man sich in der Nominierungsfrage weiterhin nicht in die Karten schauen. Das hat auch strukturelle Gründe. Anders als im Weltcup dürfen pro Olympia-Rennen maximal vier Athletinnen antreten. Bei einem Maximalaufgebot von elf Aktiven pro Geschlecht wird die Auswahl damit zur echten Denksportaufgabe.
Ein Beispiel aus dem Männer-Team ist Marco Schwarz, der selbst ohne Weltcup-Abfahrt als Kandidat für das Olympia-Rennen gilt. Scheib kam im Super-G in dieser Saison bislang noch nicht zum Einsatz. Ihren letzten Start absolvierte sie im März des Vorjahres in La Thuile, wo sie Rang 35 belegte. Der sportliche Fokus liegt daher weiterhin eher auf dem Riesentorlauf.
Die Tatsache, dass sie in Cortina nun fast als alleinige Gold-Hoffnung des ÖSV gilt, bringt Scheib jedenfalls nicht aus der Ruhe. Vielmehr stellt sie die positiven Aspekte in den Vordergrund: "Ich genieße das Skifahren derzeit sehr. Es ist extrem cool, dass sich das auch in den Ergebnissen widerspiegelt. Am Ende geht es darum, dass ich für mich die richtige Balance finde."
Insgesamt überwiegt bei der Steirerin die Vorfreude auf die Rennen in Italien. Vor allem das Gastgeberland selbst hat es ihr angetan. Scheib erklärte: "Es ist ein unglaublich sportbegeistertes Land mit tollen Menschen. Außerdem ist das Essen wirklich großartig. Eine gute Pizza oder Pasta, und es ist schon ein guter Tag."
Auch die Nähe zur Heimat lässt die Olympia-Euphorie weiter steigen. "Es ist für uns etwas irrsinnig Schönes, dass die Spiele so nah stattfinden. Das gibt einem gleich ein ganz anderes Gefühl", schwärmte Scheib. Dieses will sie nun auch sportlich nutzen. Der Super-G ist für den 12. Februar angesetzt, der Riesentorlauf folgt am 15. Februar.