Alarmierende Zahlen

"Tabu" – so viele Schüler brauchen psychologische Hilfe

Alarmierende Zahlen zum Schulstart: Immer mehr Kinder und Jugendliche kämpfen mit psychischen Problemen. Das Rote Kreuz bietet Unterstützung.
Oberösterreich Heute
16.09.2026, 03:00
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Erst vor kurzem hat die Direktorin einer Mittelschule die Personalnot angeprangert: "Diese Entwicklung ist nicht erst seit heuer so, sie ist schon seit drei, vier Jahren besorgniserregend", berichtete sie gegenüber "Heute".

Die Misere: Man müsse mittlerweile Stellen mit jedem besetzen, der sich bewirbt. "Wir können nicht mehr darauf schauen, ob die Person ins Team und zum Leitbild der Schule passt", klagte die Schulleiterin.

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Nachfrage dreimal so hoch

Jetzt macht das Rote Kreuz OÖ auf eine weitere Problematik aufmerksam: arge seelische Belastungen von Schülern. Die Nachfrage nach psychischer Erster Hilfe hat sich seit der Einführung 2023 mehr als verdreifacht. Im vergangenen Schuljahr erreichte die Organisation mit 106 Workshops bereits 2.194 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren.

"Junge Menschen brauchen neben Wissen für Schule und Beruf auch Werkzeuge, um mit schwierigen Situationen umzugehen und für einander da zu sein", betont Rotkreuz-Präsident Gottfried Kreuz. Das Angebot vermittle genau das: "Hinsehen, zuhören und wissen, wann und wo man Hilfe holen kann."

Suizidgedanken? Es gibt Hilfe.

Wenn du unter Suizidgedanken, Depressionen oder anderen Ausnahmesituationen leidest, bietet die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 von 0-24 Uhr kostenlos und anonym schnelle Unterstützung.

Weitere Ansprechstellen für Betroffene:

Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring – Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112

Kathrin Pilz und Anneliese Öllinger-Ebner erleben in ihrer Tätigkeit in der Krisenintervention, was Ausnahmesituationen bedeuten können. Das Wissen darüber sollte genauso selbstverständlich sein wie klassische Erste Hilfe. "Bei einer körperlichen Verletzung wissen viele, was zu tun ist. Dieses Grundwissen brauchen wir auch für psychische Krisen", sagt Pilz.

„Bei einer körperlichen Verletzung wissen viele, was zu tun ist. Dieses Grundwissen brauchen wir auch für psychische Krisen.“
Kathrin PilzEhrenamtliche Mitarbeiterin

Nach dem Prinzip "Look – Listen – Link" lernen Jugendliche, Belastungen wahrzunehmen und Hilfe zu organisieren. Ebenso wichtig sind die eigenen Stärken und sozialen Netzwerke. "Wir wollen das Tabu brechen. Psychische Probleme sind nichts, wofür man sich schämen muss. Genauso wenig muss man sich dafür schämen, sich Hilfe zu holen", betont Öllinger-Ebner.

Wichtig: Es geht nicht darum, Jugendliche zu Therapeuten zu machen. Sie lernen vielmehr, Veränderungen wahrzunehmen, Gespräche anzubieten und bei Bedarf Erwachsene einzubeziehen oder auf professionelle Unterstützung zu setzen. Die Workshops sind präventiv ausgerichtet und dienen nicht der Aufarbeitung bestehender Krisensituationen in der Klasse.

Seit 2024 gibt es auch ein Angebot für Lehrkräfte, die aus verschiedenen Workshop-Themen wählen können. Auch hier steigt die Nachfrage stark: Im vergangenen Schuljahr nahmen 948 Pädagogen an insgesamt 38 Schulungen teil. Im Jahr zuvor waren 222 Personen in elf Kursen.

Das OÖ. Jugendrotkreuz bietet Workshops zur Psychischen Ersten Hilfe für die Sekundarstufe I und II sowie für Lehrkräfte an. Anmeldungen sind unter [email protected] oder Tel. 0732/7644-198 möglich.

red,16.09.2026, 03:00