Ein blinder Mann und seine Partnerin landen am Flughafen Graz und wollen nach Hause. Doch der Weg dorthin wird für sie zur Belastungsprobe. Am Taxistand stehen viele Fahrzeuge – doch keiner der Chauffeure lässt sie einsteigen. Der Grund: ihr Blindenführhund Dino.
"Da standen 15 Taxis, aber keiner wollte uns mitnehmen", erzählt Tim Peters (36) im Gespräch mit "Heute". Für das Ehepaar begann damit eine Situation, die nicht nur frustrierend, sondern zutiefst entwürdigend ist. Denn eigentlich ist die Rechtslage klar: Assistenzhunde müssen befördert werden.
Was dann folgte, machte den Vorfall besonders brisant. Es blieb nicht bei der bloßen Ablehnung. "Sie haben dann zu uns gesagt: 'Wir sind kein Tiertransport. Gehts z’fuß und schleichts euch!'", schildert Tim Peters. Statt Unterstützung erlebte das Paar offene Ablehnung – mitten am Flughafen.
Als die beiden versuchten, die Situation festzuhalten, reagierten einige Fahrer zusätzlich aggressiv und wollten Fotos verhindern. Hilfe? Fehlanzeige.
Auch der Versuch, über die Taxizentrale Unterstützung zu bekommen, scheiterte. Dort wird dem Paar erklärt, ihr Hund Dino hätte vorab angemeldet werden müssen. Für Tim völlig unverständlich – schließlich sind Assistenzhunde gesetzlich geschützt und keine "Sonderfälle".
Der 36-Jährige sagt klar: Das war kein einmaliger Vorfall. "Das ist mir und Bekannten schon öfter passiert." In Graz müsse man mit Blindenführhund oft lange warten, bis sich jemand findet, der einen mitnimmt – wenn sich überhaupt jemand findet. Ganz anders seine Erfahrung im Ausland. "In Hamburg war das zuletzt überhaupt kein Problem. Taxi, Öffis – alles ganz normal." Der Vergleich zeigt für ihn deutlich, dass es auch anders geht – wenn Regeln ernst genommen werden.
Blindenführhunde sind speziell ausgebildete Assistenzhunde und rechtlich klar geschützt. Sie ermöglichen Menschen mit Sehbehinderung ein selbstständiges Leben und begleiten sie im Alltag nahezu überallhin – auch in Taxis, Lokale oder öffentliche Verkehrsmittel. Die Mitnahme ist gesetzlich verpflichtend und darf nicht verweigert werden.
Die Tiere sind trainiert, arbeiten konzentriert und bekommen im Alltag regelmäßig Ruhephasen, in denen sie sich entspannen können. Zuhause haben sie fixe Pausen, Spielzeiten und führen ein ganz normales Hundeleben – sie sind also keine "Dauer-Arbeitstiere", sondern verlässliche Begleiter mit klar geregelten Einsatzzeiten. Nach einigen Jahren im Dienst gehen Blindenführhunde zudem in "Pension" und verbringen ihren Lebensabend als Familienhund.
Der Vorfall wurde bereits gemeldet, auch die Wirtschaftskammer ist informiert. Für Tim und andere Betroffene ist klar: Es braucht endlich Konsequenzen, mehr Schulungen und vor allem mehr Bewusstsein.
Denn für Menschen mit Sehbehinderung geht es nicht um Komfort – sondern um selbstständige Mobilität im Alltag. Was für viele ein kurzer Heimweg ist, wird für andere zur Hürde. Und genau das sorgt jetzt für große Empörung.