WM-Leader Piastri lag auf Rang vier, sein Teamkollege und Verfolger Norris unmittelbar dahinter auf dem fünften Platz, als es wenige Runden vor dem Renn-Ende im Großen Preis von Kada zum Crash kam. Norris versuchte, sich auf der Start-Ziel-Geraden links zu platzieren, eine ideale Ausgangsposition für die erste Kurve zu schaffen, allerdings war dem Briten der Platz ausgegangen. Norris fuhr seinem WM-Widersacher hinten drauf, schied aus, Piastri konnte weiterfahren. Der WM-Zweite nahm die Schuld ganz auf sich.
Der Brite verlor im WM-Kampf wertvolle Punkte, liegt nun bereits 22 Zähler hinter seinem Stallkollegen – das entspricht beinahe einem Rennsieg. Einige im Fahrerlager unkten bereits, McLaren würde mit derartigen Kollisionen den WM-Titel gefährden, schließlich führen Piastri und Norris die Formel-1-Weltmeisterschaft klar an. Teamchef Andrea Stella wollte davon allerdings – noch – nichts wissen.
"Frei fahren zu können ist ein wichtiger Wert im Motorsport. Das wollen wir auch so gut wie möglich leben", erklärte der McLaren-Teamchef. Piastri und Norris kämpfen beide um ihren ersten Fahrer-WM-Titel. Deshalb plane das Team auch nicht, einzugreifen. "Wir wollen beiden die Möglichkeit geben, gegeneinander Rennen zu fahren und am Ende der Saison auch auf der Position zu sein, die sie aufgrund ihrer Leistungen verdient haben, statt zu erkennen, dass das Team entschieden hat, und nicht die Qualität der Fahrer", ergänzte der Italiener. Er wolle also "Freie Fahrt" gewährleisten – zumindest so lange der Rennstall dermaßen überlegen ist.
"Ich gehe nicht davon aus, dass der Vorfall in Kanada unsere Herangehensweise ändern wird. Wir wollen aber unsere Prinzipien, die mehr Vorsicht von unseren Fahrern verlangen, bestärken", erhob Stella aber den Zeigefinger. Künftig müssten die Piloten aber mehr aufeinander Acht geben.
Ob sich auch beide Piloten daran halten, wird sich am kommenden Wochenende beim Grand Prix von Österreich zeigen.