Tests – jetzt droht sogar Ausweispflicht beim Einkaufen

Anders als bei den körpernahen Dienstleistern kennt der Handel seine Kunden nicht persönlich. Muss hier künftig die Identität überprüft werden? (Symbolbild)
Anders als bei den körpernahen Dienstleistern kennt der Handel seine Kunden nicht persönlich. Muss hier künftig die Identität überprüft werden? (Symbolbild)Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Ein striktes Nein gibt es von den Sozialpartnern, wenn es um die Einführung von Eintrittstests im Handel geht. Sie fürchten sogar Ausweiskontrollen.

Nachdem das Thema Zutrittstests für den Handel vorerst auf Eis gelegt wurde, ist es nun wieder im Gespräch. Eigentlich war geplant, dass die Eintrittstests im Handel schon vor wenigen Wochen eingeführt werden - die Regelung hätte nach den Osterfeiertagen in Kraft treten sollen. Der Bundesrat blockierte hier aber.

Nun wagt die Regierung einen neuen Anlauf für die wöchentlichen Berufsgruppen- und Zutrittstests in den Geschäften. Daher werden derzeit Gespräche geführt. Über die genauen Details wird noch diskutiert. (Mehr dazu hier >>)

Branche wehrt sich

In einem offenen Brief machen die Sozialpartner im österreichischen Handel nun ihrem Ärger über die geplanten Handels-Zutrittstests Luft. Gemeinsam mit der GPA-Vorsitzenden Barbara Teiber widmet sich der WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik an Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Sie sprechen sich strikt gegen die Einführung der Tests aus, da die Notwendigkeit jener nicht gegeben sei und die Umsetzung mit unterschiedlichen Problemen verbunden sei.

Der Handelhabe bisher ohnehin alle gesetzten Maßnahmen mitgetragen und unterstützt, um seinen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten, heißt es in einer entsprechenden Aussendung am Montag. Das Tragen von FFP2-Masken sowie die Erweiterung der zehn auf 20 Quadratmeter pro Kunde waren die Verschärfungen der jüngsten Vergangenheit. Diese stellen jetzt schon große Herausforderungen und eine zusätzliche Belastung in der Praxis dar. Jedoch konnte schon dadurch ein hohes Maß an Sicherheit in Bezug auf die Infektionsgefahr erreicht werden, ist man sich in der Branche im Klaren. 

Unklarheiten rund um Tests

In dem offenen Brief an die Bundesregierung verdeutlichen die Sozialpartner die Auswirkungen und Problemstellungen der geplanten Eintrittstests in den Geschäften. 

Spontanes Shoppen fällt weg: Es wird darauf hingewiesen, dass die Eintrittstests im Handel eine Hürde für Konsumenten wären, welche Impulskäufe verhindern. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der Handel massive wirtschaftliche Einbußen erleiden würde, wodurch auch zahlreiche Arbeitsplätze in Gefahr wären. Dies wiederum wirft die Frage auf, welche finanziellen Abgeltungen die betroffenen Betriebe erhalten würden?

Umstieg auf Online-Handel: Eine weitere Folge der Zutrittstests wäre, dass Konsumenten weiter verstärkt auf den Einkauf im Online-Handel setzen würden. Diese Umsätze würden zu Lasten des stationären Handels gehen und sich ebenso negativ auf Unternehmen und Arbeitsplätze auswirken. "Welche Pläne gibt es, um den ungleichen Wettbewerbsbedingungen zu begegnen?", fragen sich die Sozialpartner. 

Kontrolleder Tests: Im stationären Einzelhandel herrschen Kundenfrequenzen, die eine Eintrittskontrolle in der Praxis unmöglich machen. Sollten Unternehmen bzw. deren Mitarbeiter für die Kontrollen zuständig sein, herrschen hier noch viele Unklarheiten. Die Branche beschäftigen etwa Fragen wie:

> Wer soll die Kontrollen vornehmen? Wird dem Handel externes Personal zur Verfügung stehen, oder soll die Aufgabe vom eigenen Personal übernommen werden? In diesem Zusammenhang wird darauf verwiesen, dass die Mitarbeiter im Verkauf für Personenkontrollen beispielsweise weder geeignet noch ausgebildet seien und dies daher auch abgelehnt werde. 

Was genau muss kontrolliert werden?  Unklar sei auch, welche Tests anerkannt werden dürfen und wie lange diese jeweils gültig sind. Auch die Frage nach offensichtlich gefälschten Testbescheinigungen bereitet Sorgen. Was soll in solch einem Fall unternommen werden, fragen sich die Branchenvertreter. 

 Ein weiterer Punkt ist die Feststellung der Identität der Kunden. Anders als bei den körpernahen Dienstleistern, wie etwa dem Friseur, kennt der Handel seine Kunden nicht persönlich. Muss daher die Identität der Konsumenten in Form einer Ausweiskontrolle durchgeführt werden, will man vom Gesundheitsminister wissen.

> Wo sollen Kontrollen stattfinden?  Ebenso wenig klar sei, wo die Kontrollen in den Einkaufszentren durchgeführt werden sollen. Bei jedem Eingang zum Einkaufszentrum oder jeweils beim Eingang zu jedem einzelnen Geschäft?

Zutrittstests wissenschaftlich nicht nachvollziehbar

Schon vor der ersten geplanten Einführung der Eintrittstests für den Handel äußerte sowohl die Branche als auch die Kundschaft großen Unmut darüber. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, bezeichnete jene Tests sogar als "Schwachsinn", für deren Einführung jegliches wissenschaftliche Fundament fehle. (Mehr dazu hier >>) Auch in dem offenen Brief an die Verantwortlichen wird erneut darauf aufmerksam gemacht, dass mehrere Studien belegen, dass der Handel kein Corona-Hotspot sei. 

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