Haustiere

Kaninchen im Osternest? Bitte nicht! 

Gerade vor Ostern rückt das Kaninchen als Haustier in den Fokus, doch es ist lange nicht so "anspruchslos" und "pflegeleicht" wie angepriesen. 

Christine Kaltenecker
Bitte keinen lebenden Osterhasen verschenken! 
Bitte keinen lebenden Osterhasen verschenken! 
Getty Images/iStockphoto

Warum Kaninchen noch immer als "Einsteigerhaustier" gelten, liegt wohl wirklich an einer fehlinterpretierten Marketingstrategie dubioser Züchter. Nicht nur Zeit und umfangreiches Wissen sind für die artgerechte Haltung der niedlichen Mümmelmänner erforderlich, sondern auch die Kenntnis darüber, dass dieses kleine Fluchttier so gar kein Interesse an manchmal noch groben Kinderhänden hat, die es mehrmals täglich hochheben oder streicheln wollen. Tierschutzorganisation Vier Pfoten schlägt auch heuer wieder Alarm, um den anspruchsvollen Haustieren ein Schicksal als "Osterhase" zu ersparen. 

Keine Kuscheltiere

„Was viele nicht wissen: Kaninchen sind absolut keine Kuscheltiere. Viele mögen es gar nicht, von uns Menschen zu viel angefasst, hochgehoben oder gestreichelt zu werden. Sie neigen auch sehr zu Knochenbrüchen. Daher sind sie für Kinder im Regelfall vor allem als Kuscheltier völlig ungeeignet“, sagt VIER PFOTEN Kampagnenleiterin Veronika Weissenböck. Da die Lebenserwartung von Kaninchen sieben bis zehn Jahre beträgt, bedeuten sie außerdem eine langfristige Verantwortung.

Tierschutz fängt bei den Kleinsten an

Auch dass die Tiere niemals alleine gehalten werden dürfen, wie es auch das Gesetz vorschreibt, ist vielen Menschen nicht geläufig. Die Haltung in einem handelsüblichen Käfig ist ungeeignet. Weissenböck: „Ein naturnahes Gehege, idealerweise draußen, von mindestens zehn Quadratmetern ist unabdingbar, damit Kaninchen ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Es sollten auf jeden Fall Möglichkeiten zum Rückzug und zum Graben gegeben sein. Daher sollte der Zaun des Geheges mindestens 50 Zentimeter in die Erde eingelassen werden und mindestens 150 Zentimeter hoch sein. Von einer reinen Wohnungshaltung raten wir ab.“

Zudem sollte das Gehege gut isoliert sein und ausreichend Schutz vor der Witterung bieten. Der Lebensraum ist idealerweise ruhig, hell und frei von Zugluft oder extremer Hitzeeinstrahlung. „Daher ist die Haltung auf dem Balkon wegen der Gefahr eines Wärmestaus auch nicht empfehlenswert“, erklärt Weissenböck.

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    Schlappohren und Zwergenwuchs = Qualzucht! 

    Ein großes Tierschutzthema ist bei Kaninchen die Qualzucht. Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Zwergkaninchen aus einer genetischen Mutation heraus entstehen. Veronika Weissenböck: „Mit dem Zwergenwuchs sind einige Probleme verbunden. So sind die Tiere prädestiniert dafür, Zahnprobleme zu bekommen. Denn das Zahnwachstum ist dem kleinen Körperbau nicht angepasst, so dass die Zähne übermäßig wachsen, was oft zu schmerzhaften Verletzungen und Infektionen führt. Fressen ist für die Tiere dann kaum noch möglich. Die Probleme bei der Nahrungsaufnahme können dann natürlich zu Mangelernährung führen.“

    Ein weiteres Qualzuchtmerkmal sind die Schlappohren der sehr beliebten Widder-Kaninchen. Die Tiere leiden tatsächlich stark unter ihren hängenden Ohren. Die Gehörgänge sind abgeknickt, was dazu führt, dass sie einerseits schlecht hören – was für sie als Fluchttiere extrem problematisch ist - und andererseits, dass das natürliche Sekret der Ohren nicht abfließen kann. Dadurch kommt es zu Infektionen im Ohr. „Auch Verletzungen entstehen durch Schlappohren, wenn die Ohren über den Boden schleifen. Sie können zudem schnell Zeichen von Erfrierung zeigen, da die Ohren eine so große Oberfläche haben, dass hier viel Wärme verloren geht. Die Temperatur in den Ohren kann also nicht gut reguliert werden“, erklärt Weissenböck.

    "Finger weg von Tieren, die unter ihren Qualzuchtmerkmalen leiden ..." 

    Daneben haben die Tiere auch Probleme mit der Kommunikation. Die Ohren der Kaninchen sind ein großer Teil ihres Körpersprachenrepertoires. Mit den Schlappohren können Kaninchen nicht artgerecht kommunizieren.

    „Leider sind die Tiere immer die Opfer der gerade vorherrschenden Trends. Daher sagen wir ganz klar: Finger weg von Tieren, die unter ihren Qualzuchtmerkmalen leiden! Denn eine erhöhte Nachfrage führt natürlich auch zu einem größeren Angebot. Mit dem Kauf eines Qualzucht-Kaninchen trägt man auf jeden Fall zum Tierleid bei“, so Weissenböck abschließend.