Tragödie "absolut vermeidbar"

Tödlicher Absturz: Freund setzt falschen Notruf ab

Ohne Ausrüstung wollten zwei 19-Jährige auf die Zugspitze steigen. Als einer abstürzte, setzte sein Begleiter ausgerechnet einen US-Notruf ab.
Newsdesk Heute
23.05.2026, 16:02
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Ein nächtlicher Aufstieg auf Deutschlands höchsten Berg endete für einen jungen Mann tödlich. Zwei 20-jährige Deutsche wollten auf der Zugspitze den Sonnenaufgang erleben – doch einer von ihnen stürzte in einem Schneefeld ab.

Die beiden jungen Männer waren in der Nacht auf Samstag über die sogenannte "Stopselzieherroute" von Ehrwald in Tirol Richtung Zugspitze unterwegs. Laut Bergrettung waren sie für die Bedingungen allerdings völlig unzureichend ausgerüstet.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Nicht ausreichend gerüstet

"Sie hatten weder Steigeisen, noch Gurt, Helm und Pickel dabei", sagt Riccardo Mizio, Einsatzleiter der Bergrettung Ehrwald gegenüber der "Krone". Dabei liege auf der Route derzeit noch viel Schnee, mehrere hart gefrorene Schneefelder müssten gequert werden. Die beiden hätten lediglich Grödel an den Schuhen getragen.

Gegen 3 Uhr kam es dann zum Unglück. Beim Überqueren eines Schneefeldes rutschte einer der beiden Alpinisten – ein gebürtiger Kasache – aus und stürzte ab. Sein Begleiter aus der Ukraine setzte zwar einen Notruf ab, konnte den Einsatzkräften aber kaum erklären, wo sie sich befanden.

US-Notruf abgesetzt

"Er wählte jedoch den US-amerikanischen Notruf, der dann bei der Polizei in Bayern landete", schildert Mizio. Der junge Mann habe sich nur in gebrochenem Englisch verständigen können. Deshalb begann zunächst eine großangelegte Suchaktion mit dem nachtflugtauglichen Hubschrauber "Christoph München". Auch die Bergrettung Ehrwald wurde alarmiert.

Die Einsatzkräfte suchten aus der Luft nach Lichtsignalen. Erst kurz nach 4 Uhr entdeckten sie ein Licht auf der "Stopselzieherroute".

"Der Heli flog daraufhin mich und einen Kollegen zur Wiener Neustädter Hütte, von dort stiegen wir zu Fuß weiter auf", erzählt Mizio. Die Bergretter trafen schließlich auf den Überlebenden, der unter Schock stand.

"Wir hatten bald Rufkontakt, trafen auf den Überlebenden, der uns jedoch lediglich mitteilen konnte, dass sein Freund nicht mehr da sei, weil er ausgerutscht sei. Mehr konnte er uns nicht sagen und sich auch nicht vorstellen."

250 Meter abgestürzt

Der abgestürzte 20-Jährige wurde später am Fuß der Wand entdeckt. Laut Bergrettung war er rund 250 Meter über steiles Felsgelände abgestürzt. Das Schneefeld, in dem das Unglück passierte, sei ohne Steigeisen nicht begehbar gewesen.

Ein Hubschrauber aus Liechtenstein mit Nachtwinde brachte schließlich den Überlebenden und einen Bergretter ins Tal. Die Bergung des Toten übernahm die "Libelle Tirol".

"Wäre absolut vermeidbar gewesen"

Für Einsatzleiter Mizio wirft der Fall erneut Fragen über leichtsinnige Bergtouren auf, die möglicherweise durch Videos und Fotos in sozialen Medien inspiriert werden.

"Ich habe selbst Videos in den sozialen Medien gesehen. Die sind so provokant, da muss man beinahe davon ausgehen, dass Unglücke passieren", sagt der erfahrene Bergretter. "Wo führt dieser Leichtsinn noch hin? Dieser tragische Tod wäre absolut vermeidbar gewesen."

Laut Bergrettung handelt es sich bereits um den zweiten tödlichen Unfall eines jungen Mannes auf der "Stopselzieherroute" seit Dezember.

{title && {title} } red, {title && {title} } 23.05.2026, 16:02
Jetzt E-Paper lesen