Es sind Szenen wie aus einem Katastrophenfilm: Kinder schreien, Fensterscheiben zerbersten, Wände stürzen ein. Zwei gewaltige Tornados haben am Freitag auf der italienischen Urlaubsinsel Sizilien eine Spur der Verwüstung hinterlassen.
Besonders dramatisch: Einer der Wirbelstürme traf eine Schule, in der sich gerade 273 Kinder befanden. Eine mutige Lehrerin warf sich schützend über ihre Schüler.
Die beiden Wasserhosen hatten sich vor der Westküste Siziliens über dem Meer gebildet und waren anschließend ins Landesinnere gezogen. Besonders schwer betroffen waren die Hafenstadt Marsala und die Nachbargemeinde Petrosino in der Provinz Trapani.
Häuser wurden zerstört, Autos umgeschleudert und ganze landwirtschaftliche Flächen verwüstet. Zahlreiche Menschen wurden verletzt. Todesopfer wurden keine gemeldet.
Besonders dramatisch waren die Szenen in der Schule Alcide De Gasperi in Marsala. Lehrerin Ilenia Amato befand sich mit ihren Schülern im ersten Stock, als sich zwei dunkle Wirbel über dem Meer bildeten. Doch plötzlich bewegte sich einer der Tornados direkt auf das Schulgebäude zu.
Die Kinder begannen zu schreien und zu weinen. Amato versuchte, sie zu beruhigen, schloss die Fensterläden und brachte ihre Schüler in den Gang. Als der Tornado mit voller Wucht auf das Gebäude traf, zerbarsten Fensterscheiben und Trümmer flogen durch die Luft. Die Lehrerin warf sich schützend über mehrere Kinder.
Später schilderte sie die dramatischen Augenblicke gegenüber italienischen Medien. Sie habe geglaubt, den Tod kommen zu sehen. Der schlimmste Teil des Unwetters dauerte nur wenige Minuten.
Die Wucht des Tornados richtete an der Schule schwere Schäden an. Eine Betonwand der Turnhalle stürzte ein, Fenster und Teile des Gebäudes wurden zerstört. Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt des Einsturzes keine Kinder in der Turnhalle.
Eine Flucht ins Freie war laut Schuldirektor Leonardo Gullotta nicht mehr möglich. Die Lehrer brachten die Kinder deshalb innerhalb des Gebäudes in Sicherheit.
Sechs Kinder erlitten nach ersten Angaben leichte Verletzungen. Insgesamt wurden zwölf Kinder im Krankenhaus behandelt oder untersucht. Zwei von ihnen standen am Freitagabend noch unter medizinischer Beobachtung. Schwerverletzte gab es unter den Schülern nach den vorliegenden Berichten nicht.
Auch außerhalb der Schule bot sich ein Bild der Verwüstung. In Marsala und Petrosino wurden Häuser beschädigt oder zerstört, Dächer abgedeckt und Mauern eingerissen. Bäume wurden entwurzelt, Stromleitungen beschädigt und Autos umgeschleudert.
Besonders dramatisch war ein Vorfall in Petrosino. Dort wurde ein Auto von einem der Wirbelstürme erfasst und in eine Schlucht geschleudert. Beide Insassen wurden verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.
Ein Mann wurde im Krankenhaus Civico in Palermo in ernstem Zustand behandelt, schwebte jedoch nicht in Lebensgefahr. Auch ein 70-Jähriger und eine Frau mussten medizinisch versorgt werden. Elf Familien konnten nach der Katastrophe vorerst nicht in ihre Häuser zurückkehren und mussten anderweitig untergebracht werden.
Die Tornados trafen auch die Landwirtschaft der Region mit voller Wucht. Hunderte Hektar Anbauflächen wurden verwüstet, ganze Weinberge zerstört und jahrhundertealte Olivenbäume entwurzelt. Bewässerungsanlagen, Gewächshäuser und landwirtschaftliche Maschinen wurden schwer beschädigt.
In Petrosino zerstörte der Sturm zwei von vier Haupthallen eines Fischzuchtbetriebs. Allein dort wird der Schaden auf mehr als zwei Millionen Euro geschätzt. Der Betrieb könnte mehrere Wochen stillstehen, betroffen sind 92 Arbeitsplätze.
Die Bürgermeister von Marsala und Petrosino fordern angesichts der massiven Zerstörung die Ausrufung des Katastrophennotstands. Feuerwehr und Katastrophenschutz arbeiteten an der Sicherung beschädigter Gebäude und der Wiederherstellung der Infrastruktur.
Trotz der gewaltigen Schäden wurden bisher keine Todesopfer gemeldet. Besonders an der schwer beschädigten Schule in Marsala dürfte das rasche Handeln der Lehrer Schlimmeres verhindert haben.