Der Konflikt im Nahen Osten spitzt sich dramatisch zu. Am Samstag wurde der internationale Flughafen King Khalid in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad erneut Ziel eines schweren Raketenangriffs. Mindestens zwölf Menschen kamen ums Leben, 309 weitere wurden verletzt. Einige von ihnen schweben in Lebensgefahr.
Nach Angaben der saudischen Behörden befinden sich unter den Todesopfern vier Staatsbürger Saudi-Arabiens und acht Ausländer, darunter ein US-Amerikaner sowie Menschen aus Bangladesch, Ägypten, Jordanien, Syrien, dem Sudan und Palästina.
Augenzeugen zufolge schlug die Rakete im Bereich des Inlandsterminals ein. Ein verletzter Reisender berichtete, er habe ein Geschoß am Himmel gesehen, bevor ein Teil der Decke in der Nähe eines Abfluggates eingestürzt sei.
Der Angriff löste einen Großeinsatz der Rettungskräfte aus. In mehreren Krankenhäusern in Riad werden die Verletzten behandelt. Wegen der großen Zahl an Opfern wurden zusätzliche Notärzte angefordert.
Es war bereits der dritte Angriff auf den Flughafen innerhalb weniger Tage. Erst am Donnerstag waren bei einem Raketenangriff drei saudische Staatsbürger getötet worden.
Nach den verheerenden Angriffen warnen nun auch westliche Staaten ausdrücklich vor der Nutzung des Flughafens in Riad. Das deutsche Auswärtige Amt schreibt in seinen aktuellen Reisehinweisen unmissverständlich: "Von der Nutzung des Internationalen Flughafen Riad wird dringend abgeraten."
Auch die US-Botschaft richtet eine eindringliche Warnung an amerikanische Staatsbürger. Die US-Vertretung empfehle allen US-Bürgern dringend, "diesen Flughafen und die umliegenden Gebiete zu meiden", heißt es in einer Erklärung.
Die Angriffe haben massive Auswirkungen auf den internationalen Flugverkehr. Zahlreiche Verbindungen wurden gestrichen oder umgeleitet. Fluglinien wie Lufthansa und Air India hatten bereits nach früheren Angriffen ihre Flüge nach Riad eingestellt.
Reisende sollen sich vor der Fahrt zum Flughafen über die aktuelle Sicherheitslage informieren und den Status ihrer Flugverbindungen überprüfen.
Saudi-Arabien kündigte nach dem Angriff eine "entschiedene Reaktion" gegen die Huthi-Rebellen an. Die vom Iran unterstützte Miliz aus dem Jemen wird für die jüngste Angriffsserie verantwortlich gemacht.
Auch US-Präsident Donald Trump reagierte mit scharfen Worten. "Was in Saudi-Arabien passiert ist, ist nicht akzeptabel", erklärte Trump vor Journalisten. Er wolle mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman über die Lage sprechen.
Auf die Frage, ob sich die USA an militärischen Vergeltungsschlägen gegen die Huthis beteiligen könnten, antwortete Trump: "Vielleicht. Wir werden uns das anschauen." Damit steht auch eine direkte Beteiligung der USA an den saudischen Angriffen im Raum. Bisher hatte Washington entsprechende Bitten um militärische Unterstützung abgelehnt.
Die Angriffsserie beschränkt sich nicht auf Riad. Am Samstag schlug ein weiteres Geschoß in der Nähe des internationalen Flughafens von Dammam an der saudischen Ostküste ein.
Am Sonntag meldete die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition zudem den Abschuss einer ballistischen Rakete über al-Chardsch südöstlich von Riad. In der Region befindet sich auch der wichtige Prinz-Sultan-Luftwaffenstützpunkt.
Die Huthi-Rebellen hatten sich bereits zu früheren Angriffen auf saudische Flughäfen bekannt. Für den jüngsten Beschuss lag zunächst keine eindeutige Übernahme der Verantwortung vor.
Hintergrund der Eskalation ist der seit Jahren andauernde Bürgerkrieg im Jemen. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen kämpfen dort gegen die international anerkannte Regierung, die wiederum von Saudi-Arabien unterstützt wird.
Zuletzt konnten die Huthis wichtige Gebiete an der Küste erobern und ihren Einfluss auf die strategisch bedeutende Meerenge Bab al-Mandab ausweiten. Diese verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt.
Für Saudi-Arabien kommt die Eskalation zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Noch im Oktober soll in Riad eine große internationale Investitionskonferenz stattfinden, zu der zahlreiche hochrangige Wirtschaftsvertreter erwartet werden.
Der jüngste Angriff ist damit nicht nur eine militärische Bedrohung, sondern auch ein schwerer Rückschlag für die Pläne des Königreichs, sich als internationaler Wirtschafts- und Luftverkehrsknotenpunkt zu etablieren.