Mehr als 80 Jahre lang waren die USA der wichtigste militärische Partner Saudi-Arabiens. Doch der Krieg gegen den Iran hat die Ressourcen der größten Militärmacht der Welt ausgelaugt. Gleichzeitig haben die Huthi-Angriffe Saudi-Arabien zuletzt stark unter Druck gesetzt.
Nun rücken erstmals andere Staaten zur Hilfe aus: Die Türkei und Pakistan schicken Soldaten in das Königreich – und aktivieren damit erstmals den neuen Mekka-Verteidigungspakt.
Die Entscheidung dazu fiel am Montag bei einem Dringlichkeitstreffen Saudi-Arabiens, Pakistans und der Türkei in Riad. Die drei Staaten vereinbarten, die gemeinsamen Verteidigungsverpflichtungen "unverzüglich" umzusetzen. Truppen und militärische Mittel sollen rasch im Königreich stationiert werden.
Auslöser sind die seit Wochen zunehmenden Angriffe der vom Iran unterstützten Huthis aus dem Jemen. Dabei sollen sogar die heiligen Stätten des Islam ins Visier genommen worden sein – was die Huthis bestreiten.
Zunächst sei Mitte September eine Drohne südlich der Moschee in Mekka eingeschlagen. Zuletzt wurde eine Stromverteilerstation in Medina angegriffen, die auch die Prophetenmoschee mit Elektrizität versorgt. Die Huthis erklärten zudem, den internationalen Flughafen von Riad, eine Raffinerie des staatlichen Ölkonzerns Aramco und weitere Ziele angegriffen zu haben.
Parallel dazu haben die Huthis im September große Teile der jemenitischen Küste am Roten Meer unter ihre Kontrolle gebracht. Besonders brisant ist ihr Vormarsch rund um Bab al-Mandab. Durch die Meerenge führt eine der wichtigsten Handels- und Ölrouten der Welt.
Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan hatten das "Gemeinsame Verteidigungsabkommen von Mekka" erst am 7. August 2026 geschlossen. Kern des Pakts ist eine gegenseitige Beistandsverpflichtung: Ein bewaffneter Angriff auf eines der drei Länder wird als Angriff auf alle angesehen.
Nicht einmal zwei Monate nach der Unterzeichnung wird diese Verpflichtung nun erstmals konkret umgesetzt. Pakistan und die Türkei schicken nun Truppen und militärische Mittel nach Saudi-Arabien. Eine direkte Beteiligung ihrer Soldaten an den Kämpfen im Jemen ist derzeit allerdings nicht vorgesehen.
Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif erklärte, beide Länder hätten zunächst eine unterstützende Rolle. Pakistan sei etwa an Aufklärungsmaßnahmen beteiligt.
Besonders brisant ist die Aktivierung des Pakts mit Blick auf die USA. Washington ist seit Jahrzehnten der wichtigste militärische Partner Saudi-Arabiens.
Doch am 10. September drängte Kronprinz Mohammed bin Salman US-Präsident Donald Trump innerhalb weniger Stunden zweimal zu direkten amerikanischen Luftangriffen auf die Huthis. Hintergrund war deren Vormarsch Richtung Bab al-Mandab, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Doch Trump lehnte ab!
Washington sagte Saudi-Arabien stattdessen Geheimdienstinformationen und Daten zur Zielerfassung zu. Rund 200 US-Soldaten waren zu diesem Zeitpunkt bereits für nicht kämpfende Unterstützungsaufgaben im Königreich stationiert.
Als Riad wenige Tage später erneut um amerikanische Angriffe bat, ließ Trump militärische Optionen prüfen – entschied sich am Ende aber wieder gegen einen Einsatz.
Nur wenige Wochen später aktiviert Saudi-Arabien nun erstmals den Mekka-Pakt. Statt amerikanischer Kampfjets kommen damit erstmals türkische und pakistanische Kräfte auf Grundlage der neuen Beistandsklausel ins Königreich.
Jahrzehntelang war Washington der erste Ansprechpartner Riads in Sicherheitsfragen. Jetzt rücken erstmals türkische und pakistanische Soldaten auf Grundlage eines eigenen Beistandspakts aus – ein klares Zeichen dafür, dass Saudi-Arabien seine militärische Absicherung neu ordnet.