Nur Reiche können weg

Totale Abzocke! 20.000 Euro für Flug aus Kriegsgebiet

4.000 Flüge wurden am Montag wegen der iranischen Luftangriffe auf die Golf-Region gestrichen. Das ruft rücksichtslose Geschäftemacher auf den Plan.
Nick Wolfinger
02.03.2026, 15:15
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Seit Ausbruch des Irankriegs herrscht im Nahen Osten Ausnahmezustand. In Reaktion auf die US- und israelischen Angriffe auf die Islamische Republik feuert das Mullah-Regime im Stundentakt Raketen und Drohnen auf Verbündete Israels und der USA in der Region. Besonders betroffen: Die Vereinigten Arabischen Emirate rund um die Metropolen Dubai und Abu Dhabi.

Die Folge: Den dritten Tag in Folge sind dort alle Flüge gestrichen. Der Luftraum ist vollständig gesperrt. Alleine am Montag wurden laut Financial Times über 4.000 Flüge in der gesamten Region – von Israel über Syrien, Irak, Iran, Katar, Kuwait, Bahrain und die Emirate – gestrichen.

Passagiere könnten vier Wochen festsitzen

Die drei größten Fluggesellschaften der Region – Emirates, Etihad und Qatar Airways – verzeichnen normalerweise 90.000 Passagiere pro Tag in dem betroffenen Gebiet, berichtet Euronews.

Mit jeder neuen Angriffswelle aus dem Iran verlängern Flughäfen und Fluglinien ihre Betriebsunterbrechung. Laut US-Präsident Trump soll der Krieg noch bis zu vier Wochen lang andauern. So lange könnten Passagiere in der Region im schlimmsten Fall festsitzen. Höchste Zeit also, sich nach Alternativen umzuschauen.

Schlafen in der Parkgarage

Als Sofortmaßnahme stellten die Emirate Unterkünfte für rund 20.000 in Dubai und Abu Dhabi gestrandete Passagiere bereit – zu einem Gutteil Feldbetten in Parkgaragen. Sämtliche Kosten für Unterkünfte und Verpflegung würden übernommen, erklärten die Behörden am Sonntag.

Wer jedoch dringend weg muss oder will, sei es aus beruflichen oder privaten Gründen, der sucht nun händeringend nach Auswegen. Und diese führen notgedrungen über das Land – also durch die Wüste. Denn auch im Persischen Golf herrscht Krieg zwischen der iranischen Marine und der US Navy. Hunderte Öltanker stecken fest.

Hunderte Kilometer durch die Wüste

Die nächsten Flughäfen, die noch in Betrieb sind, befinden sich in Saudi-Arabien und im Oman. Dazwischen liegen jedoch hunderte Kilometer Wüste. Wer auf die saudische Hauptstadt Riadh ausweichen will, muss 10 Stunden Fahrzeit einrechnen. Auch nach Muskat im Oman dauert die Autofahrt mehrere Stunden.

Das Problem dabei: Selbst, wer es irgendwie schafft, ein Auto oder eine Mitfahrgelegenheit für die Strecke zu finden, landet am Schluss auf einem nicht für so große, zusätzliche Passagierzahlen ausgelegten Flughäfen. Die internationalen Fluglinien steuern Riadh und Muskat deutlich seltener als Dubai, Abu Dhabi und Katar an – und können nicht einfach so alle Maschinen umleiten, zumal einige in den betroffenen Ländern feststecken und nicht abheben dürfen.

"Kriegsgewinnler" werden aktiv

Das ruft nun findige Geschäftsleute auf den Plan. Das russische Unternehmen Roskosmos, eigentlich eine staatlich geführte Weltraumorganisation, vergleichbar mit der NASA in den USA, hat jetzt kurzerhand eine Tupolew Tu-204 vom ebenfalls russischen Flugunternehmen Red Wings gechartert. Der Flug, der am Montag aus dem Oman nach Moskau in Russland abhob, wurde auf einem Buchungssystem für Geschäftsreisende angeboten, wie das bulgarische Medium fakti.bg berichtet. Auch die "Financial Times" berichtet:

20.000 Euro für Sitzplatz

Der Preis für einen Sitzplatz in diesem Flieger? 20.000 Euro! Bei 94 Sitzplätzen in dem umgebauten Flieger sind das Einnahmen von 1.880.000 Euro. Ein Gewinn von etwa 1,5 Millionen Euro für den Anbieter, da die Charterung eines Passagierflugzeuges normalerweise 150.000 bis 200.000 Dollar kostet, wie fakti.bg vorrechnet.

Kaum zu glauben, aber alle 94 Plätze waren in kürzester Zeit ausverkauft. Andererseits auch kein Wunder, gilt das Steuerparadies Dubai doch als Luxus-Reiseziel und Wohnsitz für zahlreiche Promis, Influencer und reiche Geschäftsleute. Gestartet ist das Flugzeug mit der Registrierungsnummer RA-64053 am Montag um 15:59 Uhr (Ortszeit; 12:59 Uhr MEZ) am kleinen Flughafen Sohar im Oman, nur drei Stunden von Dubai entfernt. Ziel ist Moskau.

Platz reicht nicht für alle

Doch Geld alleine reicht nicht, um rasch aus der Region zu entkommen. Laut Raffaella Meledandri, Gründerin des Privatjet-Anbieters Air-Dynamic, versuchen derzeit viele Kunden, Privatflugzeuge aus der Region zu chartern. Sie müssten sich aber aufgrund der beschränkten Kapazitäten "gedulden".

Wenn Montagabend der Flugbetrieb von Omans Hauptstadt Maskat wieder aufgenommen wird sollte sich zumindest für wohlhabendere Kunden die Lage etwas entspannen – während weiterhin zigtausende mit bescheidenerem Budget in Dubai, Abu Dhabi & Co festsitzen und abwarten müssen.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 02.03.2026, 15:15
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