Der Tod eines neugeborenen Mädchens nahe Nickelsdorf beschäftigt weiterhin Justiz und Ermittler. Nach den bisherigen Erkenntnissen soll das Kind am 17. Jänner in einem Kleinbus ums Leben gekommen sein. Nun sind insgesamt fünf Angehörige angeklagt.
Die damals 17-jährige Mutter sitzt in Untersuchungshaft. Gegen sie wurde laut KURIER Anklage wegen des "Verbrechens der Tötung eines Kindes bei der Geburt" erhoben. Auch ihre Mutter, ihre Schwester, ihr Bruder sowie ihr Schwager befinden sich in Haft. Ihnen wird "Mord durch Beteiligung beziehungsweise Unterlassung" vorgeworfen.
Laut Ermittlungen war die Familie am Tag des Vorfalls aus Rumänien nach Österreich eingereist. Nach dem Grenzübertritt bei Nickelsdorf hielt der Kleinbus gegen 21.54 Uhr bei einer Tankstelle, berichtet die Tageszeitung.
Die Ermittler rekonstruierten anschließend die Ereignisse anhand von Überwachungsvideos. Demnach soll die 17-Jährige laut KURIER um 22.06 Uhr mit einer Tragetasche und dem toten Kind zu einer Trafostation gegangen sein. Währenddessen sollen Familienmitglieder im Fahrzeug Spuren beseitigt haben.
Nach Angaben der Ermittler wurde dabei auch eine Matratze mit Blutspuren in einem Müllcontainer entsorgt. Wenige Minuten später kehrte die junge Frau ohne Tasche zum Fahrzeug zurück. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Schwester begab sie sich danach noch in die Damentoilette der Tankstelle. Um 22.25 Uhr setzte die Familie ihre Fahrt fort.
Der Fahrer des Kleinbusses bestreitet eine Beteiligung. Gegenüber Kriminalisten sagte er laut KURIER: "Ich verurteile das sehr stark, dass diese Frau das Mädchen getötet hat. Viele wünschen sich ein Kind und sie hat es einfach getötet. Ich kann das nicht verstehen, die junge Frau ist der Teufel."
Nach seiner Darstellung habe er von der Geburt und dem Tod des Kindes nichts bemerkt. Die Ermittler kommen aufgrund der gesicherten Spuren und Videoaufzeichnungen jedoch zu einem anderen Schluss und gehen davon aus, dass mehrere Familienmitglieder in das Geschehen eingebunden waren, berichtet die Tageszeitung.
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Was genau im Inneren des Kleinbusses geschah, ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Fest steht laut den vorliegenden Gutachten, dass das Mädchen voll entwickelt war und mehrere Minuten gelebt haben soll.
Die 17-Jährige erklärte bei ihrer Einvernahme, ihre Angehörigen hätten weder von der Schwangerschaft noch von der Geburt gewusst. Sie habe die Blutspuren als Folge einer starken Monatsblutung dargestellt, heißt es im KURIER. Die Verletzungen des Kindes erklärte sie damit, dass ihr das Baby auf dem Weg zum späteren Ablageort aus der Hand gerutscht sei.
Laut Sachverständigen lässt sich das festgestellte Schädel-Hirn-Trauma sowie die Schwere der Verletzungen dadurch allerdings nicht erklären. Die Leiche des Neugeborenen wurde einen Tag später von Reisenden entdeckt. Bis zum Prozess dürften die Angeklagten in Untersuchungshaft bleiben.
Wie das Kind tatsächlich zu Tode kam und welche Rolle die einzelnen Familienmitglieder spielten, wird nun das Gericht klären müssen. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.