Das traditionsreiche Café Florianihof in der Wiener Josefstadt ist erneut insolvent. Am 13. März wurde über die Betreiberfirma SLS Gastro GmbH ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung am Handelsgericht Wien eröffnet.
Damit setzt sich die turbulente Geschichte des Kaffeehauses fort. In den vergangenen Jahren musste das Lokal immer wieder schließen und wurde kurz darauf mit neuen Betreibern und neuen Konzepten wieder eröffnet.
Erst im vergangenen Sommer gab es einen weiteren Neustart. Der gebürtige Kölner Jendrik Lowens übernahm das Lokal gemeinsam mit Karma-Ramen-Chef Boris Strelnikov. Lowens, studierter Philosoph und früher Bar- und Restaurantleiter in England und Spanien, erfüllte sich mit dem Florianihof sein erstes eigenes Lokal. Gemeinsam wollte man dem traditionsreichen Kaffeehaus neues Leben einhauchen.
Die neuen Betreiber wollten bewusst kein klassisches Wiener Kaffeehaus führen. Das traditionelle Kaffeehaus sei vielerorts nicht mehr ganz zeitgemäß und oft stark auf Touristen ausgerichtet, erklärte Lowens damals.
Stattdessen plante man ein modernes Kaffeehaus mit ganztägigem Frühstück, Brunchgerichten und frischen Speisen aus regionalen Produkten. Auch französische Einflüsse sollten sich auf der Karte finden.
Der Florianihof profitierte früher stark vom nahegelegenen Standesamt am Schlesingerplatz. Nach den Trauungen kehrten viele frisch verheiratete Paare und ihre Gäste im Kaffeehaus ein.
2018 wurde das Standesamt jedoch auf den Alsergrund verlegt. Trotz einer Petition der damaligen Bezirksvorsteherin blieb die Entscheidung aufrecht. Das historische Gebäude am Schlesingerplatz blieb zwar bestehen, der wichtige Besucherstrom für die Gastronomie in der Umgebung brach aber weg.
Der Florianihof kämpft schon länger mit wechselnden Betreibern und Konzepten. 2023 versuchten etwa Simon Schubert und Julian Lechner vom Gasthaus Reznicek eine Wiederbelebung, gaben das Projekt aber nach weniger als einem Jahr wieder auf.
"Heute" wollte vom aktuellen Betreiber wissen, wie es nach der Insolvenz weitergeht und ob der Betrieb trotzdem fortgesetzt werden soll. Beim Lokal war bis Redaktionsschluss jedoch niemand erreichbar. Ob der Florianihof noch einmal einen Neustart schafft, ist offen. In der Josefstadt wäre es jedenfalls nicht das erste Comeback dieses traditionsreichen Kaffeehauses.