Mitten in der angespannten Lage rund um Kuba sorgt ein Öltanker aus Russland für Aufsehen. Das Schiff könnte die US-Sanktionen gegen den Inselstaat auf die Probe stellen.
Nach Angaben von Schifffahrtsanalysten wird der Tanker "Anatoli Kolodkin" am Montag in Kuba erwartet. Das Schiff ist mit rund 730.000 Barrel russischem Rohöl beladen und befand sich zuletzt nördlich von Haiti auf dem Weg zum Hafen von Matanzas.
Der Tanker steht auf Sanktionslisten der USA. Experten sehen in der Lieferung daher einen möglichen Versuch, die US-Blockade gegen den kommunistisch regierten Karibikstaat zu umgehen.
Die "Anatoli Kolodkin" hatte am 8. März den russischen Hafen Primorsk verlassen und Kurs auf den Atlantik genommen.
Für Kuba kommt die Lieferung zu einem kritischen Zeitpunkt. Das Land steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Ende der Sowjetunion. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu landesweiten Stromausfällen, die teilweise tagelang andauerten.
Auch Treibstoff ist knapp: Der öffentliche Verkehr ist stark eingeschränkt, Benzin wurde rationiert. Mehrere Fluggesellschaften haben ihre Verbindungen eingestellt, weil es vor Ort an Treibstoff mangelt.
Hintergrund der Lage ist auch die Politik der USA. Nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar wurden Öllieferungen aus Venezuela an Kuba gestoppt. Venezuela galt bislang als wichtigster Lieferant.
Ende Januar verschärfte US-Präsident Donald Trump den Druck zusätzlich. Staaten, die weiterhin Erdöl nach Kuba liefern, drohte er mit neuen Zöllen.