Schüsse vor Kubas Küste sorgen für neue Spannungen: Die Regierung in Havanna spricht von einer vereitelten "Infiltration" durch eine bewaffnete Gruppe aus den USA. Bei einem Feuergefecht kamen vier Menschen ums Leben.
Nach Angaben des kubanischen Innenministeriums sei ein im US-Bundesstaat Florida registriertes Schnellboot mit zehn Insassen in Richtung Kuba unterwegs gewesen. Die Männer hätten die Absicht gehabt, "zu terroristischen Zwecken" in das Land einzudringen. Das Boot sei rund eine Seemeile vor der Küste der Provinz Villa Clara von der Küstenwache entdeckt worden.
Als sich ein Schiff der Küstenwache näherte, seien von dem Schnellboot aus Schüsse abgefeuert worden. Dabei wurde laut Innenministerium der Kommandant des kubanischen Schiffs verletzt. In dem anschließenden Schusswechsel tötete die Küstenwache vier der Insassen, sechs weitere wurden verletzt. Sie seien geborgen und medizinisch versorgt worden.
An Bord des Bootes seien "Sturmgewehre, Handfeuerwaffen, selbstgebaute Sprengkörper (Molotow-Cocktails), kugelsichere Westen, Zielfernrohre und Tarnuniformen" gefunden und beschlagnahmt worden, teilte das Innenministerium mit. Bei allen Insassen handle es sich um Kubaner mit Wohnsitz in den USA.
Die Behörden veröffentlichten die Namen von sieben Besatzungsmitgliedern. Den Angaben zufolge sind die meisten der zehn Personen in Kuba bereits wegen "krimineller und gewalttätiger Aktivitäten" bekannt. Ein weiterer Mann, der aus den USA entsandt worden sei und an der Aktion teilnehmen sollte, wurde auf kubanischem Boden festgenommen und habe gestanden, hieß es.
Der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier, ordnete Ermittlungen zu dem Vorfall an. Auch in Washington wird der Zwischenfall überprüft. US-Vizepräsident JD Vance erklärte vor Journalisten, das Weiße Haus sammle Informationen. Hoffentlich sei der Vorfall "nicht so schlimm, wie wir fürchten, dass er sein könnte". Der US-Regierung lägen bislang "nicht viele Details" vor.
US-Außenminister Marco Rubio sprach von einem "ungewöhnlichen" Vorfall und kündigte an, Washington werde diesen untersuchen und "entsprechend reagieren". "Wir werden unsere Schlussfolgerungen nicht auf das stützen, was sie uns gesagt haben", sagte Rubio mit Blick auf die kubanischen Behörden. "Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass wir die ganze Geschichte dessen erfahren werden, was hier passiert ist", fügte er hinzu.
Der Zwischenfall ereignete sich vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zwischen den USA und Kuba. US-Präsident Donald Trump hatte nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro Anfang Januar bei einem US-Militäreinsatz die Öllieferungen Venezuelas an Kuba stoppen lassen. Staaten, die weiterhin Erdöl an Kuba liefern, drohte er mit zusätzlichen Zöllen.
Die Maßnahme verschärfte die Wirtschaftskrise auf der kommunistisch regierten Karibikinsel. Die Regierung in Havanna reagierte mit drastischen Energiesparmaßnahmen, darunter Einschränkungen im Schulunterricht, im öffentlichen Verkehr und bei Arbeitszeiten.
Am Mittwoch teilte das US-Finanzministerium jedoch mit, dass die Beschränkungen für venezolanische Ölexporte nach Kuba aus humanitären Gründen gelockert würden. Gleichzeitig forderte Rubio von Havanna "dramatischen Reformen".
"Kuba muss sich ändern. Es muss sich grundlegend ändern, denn das ist die einzige Chance, die es hat, die Lebensqualität seiner Bevölkerung zu verbessern", sagte er. Das System der Insel befinde sich im "Zusammenbruch". Die Regierung müsse durch Reformen "den Raum für wirtschaftliche und schließlich auch politische Freiheit für das Volk von Kuba öffnen".
Kanada kündigte unterdessen humanitäre Hilfe für Kuba in Höhe von acht Millionen kanadischen Dollar (rund fünf Millionen Euro) an.