Die Fronten zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj verhärten sich zusehends. Auslöser des Streits ist ein neuer Deal mit Russland, der auch politische Folgen hat. Wie 20 Minuten berichtet, geht es dabei nicht nur um Diesel, sondern auch um die Zukunft der Ukraine.
Der Bericht listet die Ereignisse in chronikaler Reihenfolge auf:
Alles beginnt mit einer Ankündigung von Trump am Freitag. Auf seiner Plattform Truth Social teilt er mit, dass er mit Kremlchef Wladimir Putin eine Vereinbarung über große Diesellieferungen aus Russland getroffen hat.
Bereits jetzt sollen mehr als 300.000 Tonnen Diesel in die USA geliefert werden. Im November sind weitere 500.000 Tonnen geplant, später noch eine Million und schlussendlich drei Millionen Tonnen.
Das Timing ist brisant: In den USA sind die Spritpreise hoch, im November stehen die Zwischenwahlen an. Erst vor ein paar Tagen hatte Trump neue Sanktionen gegen Russland unterzeichnet, um Moskaus Einnahmen aus dem Energiesektor zu beschneiden. Der neue Diesel-Deal steht also im klaren Widerspruch zu bisherigen US-Maßnahmen wegen des Ukraine-Kriegs.
Die Antwort aus Kiew folgt rasch. Selenskyj kritisiert Trumps Ankündigung auf X deutlich: "Jede Lockerung der Sanktionen gegen Russland ohne eine klare und dauerhafte Deeskalationsvereinbarung ist eine offensichtliche Schwäche", schreibt er.
Washington spiele damit Russland direkt in die Hände, so Selenskyj. Das ermögliche Moskau, den Krieg zu verlängern, mehr Menschen zu töten und den Respekt vor den USA zu verlieren. Er verweist auch auf die jüngsten russischen Angriffe: In den letzten Tagen wurden in der Ukraine 78 Menschen getötet und 215 verletzt.
Trump legt nach. Der US-Präsident verlangt öffentlich einen Wechsel an der Spitze der Ukraine. "Ich glaube, es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt", erklärt er in Washington. Selenskyj habe mehrmals die Chance gehabt, den Krieg zu beenden, diese aber nicht genutzt, so Trump. Die Ukrainer sollten daher einen neuen Anführer wählen, der eine Friedenslösung erreichen könne.
Dabei wird nicht erwähnt, dass Russland mit der Invasion den Krieg begonnen hat. Putin hat Angebote für einen bedingungslosen Waffenstillstand mehrfach abgelehnt. Selenskyj wiederum hat sich immer wieder zu direkten Gesprächen bereit erklärt.
Ein regulärer Präsidentenwechsel durch Wahlen ist in der Ukraine aktuell wegen des Kriegsrechts gar nicht möglich.
Trump erhebt noch einen weiteren Vorwurf: Ukrainische Angriffe auf russische Energieanlagen hätten zur Dieselknappheit geführt und somit auch amerikanischen Bauern geschadet. Die gestiegenen Öl- und Dieselpreise hängen allerdings vor allem mit dem Iran-Krieg und der Schließung der Straße von Hormus zusammen.
Die ukrainische Regierung lässt Trumps Forderung nicht auf sich sitzen. Außenminister Andri Sybiha stellt sich demonstrativ hinter Selenskyj. Dieser habe die Unterstützung des ukrainischen Volkes. Wer das Land führt, entscheiden allein die Menschen in der Ukraine.
"Äußerungen aus dem Ausland bestätigen nur, dass er seine Aufgabe gut erfüllt. Er verdient Unterstützung", schreibt Sybiha auf X.