Zwei Geschäftsleute aus Südafrika können sich das Lachen nicht verkneifen, während sie im Foyer des Davoser Konferenzzentrums die Rede von US-Präsident Donald Trump am Bildschirm verfolgen.
Auch andere Besucher in Davos, die keinen Platz mehr im Saal ergattert haben, verdrehen die Augen und greifen sich an den Kopf, als Trump sich mit seinen angeblichen Großtaten brüstet, Grönland mit Island verwechselt, über Windräder schimpft und sich über die Preise für Medikamente aufregt. "Einfach nur lächerlich", meint ein Besucher.
Wegen des Streits um Grönland, das Trump mit Nachdruck für die USA forderte, galt seine Rede schon im Vorfeld als Höhepunkt des Treffens. Schon lange bevor der US-Präsident überhaupt angekommen ist, bilden sich im Konferenzzentrum lange Schlangen. Würde er aggressiv auftreten? Oder sich doch versöhnlich zeigen?
Am Ende gibt sich Trump so, wie man ihn kennt – als Mischung aus selbstverliebtem Politiker und Onkel, der seine undankbaren Neffen zurechtweist. Zu diesen zählt er auch die NATO, die ihm angeblich Grönland vorenthalten will – obwohl sie ihn doch eigentlich ganz gern habe. "Sie haben mich Daddy genannt", sagt er mit Blick auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Zur Beruhigung vieler verspricht Trump mit Blick auf Grönland zumindest, "keine Gewalt" anzuwenden. Begeisterung löst er damit in Davos aber keine aus. Bei seiner Ankunft und am Ende der Rede stehen zwar viele im Saal auf – allerdings eher, um mit dem Handy Fotos zu machen, als um zu applaudieren. Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, verlässt den Saal mit zusammengekniffenen Lippen und lehnte eine Reaktion auf die Trump-Rede ab.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), wollte Trump wegen der Grönland-Krise persönlich treffen. Die Zusammenkunft platzte wegen technischer Probleme am eigenen Flugzeug und der daraus resultierenden stundenlangen Verspätung.
Der französische Präsident Emmanuel Macron war schon am Vorabend abgereist – Trump scheint es gerade besonders auf ihn abgesehen zu haben. "Ich habe ihn gestern mit seiner Sonnenbrille gesehen", sagt er in seiner Rede. Macron sei "schon irgendwie tough", fügt er ironisch hinzu. Dazu behauptete Trump, der Franzose sei bei Verhandlungen über Medikamentenpreise innerhalb von Minuten vor ihm eingeknickt, die Preise in Frankreich erhöht. "Fake News", Macron könne das nicht einmal, heißt es dazu aus dem Élysée-Palast.
Ein Grund für den Trump-Groll dürfte Frankreichs Ablehnung sein, seinem "Friedensrat" beizutreten. Diesem Rat will Trump seinem zweiten Tag im verschneiten Davos widmen.
Mehr als 50 Staaten hat er eingeladen, für eine Milliarde Dollar dauerhafte Mitglieder in dem Gremium zu werden, das der UNO Konkurrenz machen soll. Neben Frankreich haben auch Schweden, Norwegen und Italien bereits abgelehnt, der Institution beizutreten, der Trump nach eigenen Plänen mit sehr weitreichenden Befugnissen vorsitzen will.
Unklar ist noch, ob der US-Präsident in Davos auch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen wird. In seiner Rede meinte Trump am Mittwoch, Selenskyj sei "im Publikum", worauf das ukrainische Präsidialamt erklärte, dass Selenskyj sich in Kyjiw aufhält. Er hatte seine Schweiz-Reise wegen eines massiven russischen Raketen- und Drohnenangriff auf die Hauptstadt abgesagt.
Eigentlich hätte die Zukunft der Ukraine eines der wichtigsten Themen der Davos-Konferenz sein sollen. Doch dann schob sich "ein Stück Eis" dazwischen, wie Trump Grönland – und zwischendurch Island –nannte.
Mit Material der AFP.