Eigentlich wollte Donald Trump vor dem Weltwirtschaftsforum WEF in Davos nicht über Grönland reden, das behauptete er zumindest. Dennoch äußerte er sich wortreich zur dänischen Arktis-Insel und seinen Wunsch, diese am liebsten sofort zu übernehmen.
"Diese riesige, ungesicherte Insel ist eigentlich Teil Nordamerikas, an der Nordgrenze der westlichen Hemisphäre. Das ist unser Territorium", erhebt Trump darauf Anspruch. Grönland sei von strategischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten, auch für die Errichtung des Raketenschilds "Golden Dome".
Ginge es wirklich nur um die nationale Sicherheit, hätte der US-Präsident das auch in Zusammenarbeit mit Dänemark und der NATO haben können. Seit 1941 existieren Verträge, die es den USA erlauben, auf Grönland Militärbasen zu errichten und zu betreiben. Während des Kalten Kriegs gab es gleich mehrere, eine, die Pituffik Space Base (ehemals Thule Air Base), ist immer noch in Betrieb.
In Davos lamentiert der US-Präsident wortreich über eine historische Schuld, die gegenüber den USA bestünde – angefangen beim Zweiten Weltkrieg. "Wir haben dieses große, wunderschöne Stück Eis für Dänemark verteidigt und [die Wehrmacht] unter hohen Kosten und großem Aufwand daran gehindert, Fuß zu fassen", schildert Trump und beklagt, dass die USA Grönland nach Kriegsende an Dänemark "zurückgegeben" hätten: "Wie dumm waren wir, das zu tun! Aber wir haben es getan. Und wie undankbar sind sie jetzt. [...] Ohne uns würdet Ihr alle Deutsch und vielleicht ein kleines bisschen Japanisch sprechen."
Tatsächlich hatte die deutsche Wehrmacht keine Pläne für eine Eroberung Grönlands. Richtig ist aber, dass es dort Kampfhandlungen um Wetterstationen gab, die die Deutschen dort zu errichten versuchten. In Summe gab es vier Todesopfer, rund 70 deutsche Soldaten wurden gefangen genommen.
Darauf summiert Trump noch seinen Frust über die NATO obendrauf: "Die Vereinigten Staaten werden sehr unfair behandelt. Andere Präsidenten haben, ob nun töricht oder nicht, Billionen und Aberbillionen Dollar für die NATO ausgegeben und dafür absolut nichts zurückbekommen. Es ist immer eine Einbahnstraße. Wir haben nie um etwas gebeten und wir haben nie etwas bekommen."
Dazu zog der US-Präsident auch noch die Bereitschaft der europäischen Verbündeten, sich an Artikel 5 des NATO-Vertrags zu halten, in Zweifel: "Wir werden zu 100 Prozent beistehen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie für uns da sein werden, wenn wir sie rufen."
Mit der Realität hat das wenig zu tun. Die USA hatten durch die NATO jahrzehntelang massiven Einfluss auf Europa und auch einen riesigen Absatzmarkt für ihre Waffensysteme. Und: Seit Bestehen des Verteidigungspakts wurde erst ein einziges Mal der Bündnisfall aktiviert – von den USA, nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Die NATO-Verbündeten unterstützten die Amerikaner in ihrem "Krieg gegen den Terror", hatten selbst hunderte Gefallene zu beklagen. 43 Dänen wurden dabei etwa in Afghanistan getötet.
Der bald 80-jährige MAGA-Anführer verschweigt oder vergisst das völlig. Es passt nicht zur vorgegebenen Großmütigkeit gegenüber den ach so nutzlosen Verbündeten.
Diese sollen ihm doch bitte einfach geben, was er will: "Alles, was ich verlange, ist ein Ort namens Grönland. Einschließlich aller Titel und Eigentumsrechte", so Trump. Letzteres ist für den früheren Immobilien-Mogul elementar, denn psychologisch und juristisch sei es ihm unmöglich, ein bloß "geleastes" Gebiet zu verteidigen.
Einen Lichtblick gab es in den mehr als 70 Minuten Redezeit, in denen Trump wiederholt Grönland mit Island (Iceland) verwechselte, aber dann doch. Der US-Präsident schloss die militärische Eroberung der Arktis-Insel aus: "Ich muss keine Gewalt anwenden, ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden."
Er will Grönland kaufen. Dennoch ist seine Drohung an NATO-Generalsekretär Mark Rutte ("ein toller Kerl") und Dänemark eindeutig: "Sie haben die Wahl: Sie können Ja sagen, und wir werden Ihnen sehr dankbar sein. Sie können Nein sagen, und wir werden uns daran erinnern."
Stunden später dann eine Überraschung: Trump erklärte, dass bei einem Gespräch mit Rutte ein "Rahmen für ein zukünftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und tatsächlich die gesamte Arktisregion" geschaffen worden sei – und er deshalb auf die Strafzölle gegen die EU-Länder verzichten wolle.