Religiöser Fanatismus greift im US-Militär unter der Trump-Regierung um sich – und löst eine wahre Beschwerdeflut besorgter Soldaten aus.
So soll ein Kommandant bei einer Lagebesprechung erklärt haben, der Krieg gegen den Iran sei Teil von "Gottes Plan". Präsident Donald Trump sei "von Jesus gesalbt" worden, um im Iran das "Signalfeuer" für die Entscheidungsschlacht Armageddon zu entzünden. Das solle die Parusie, die Wiederkunft Jesu Christi, einläuten.
Eingebracht hatte die Beschwerde ein Unteroffizier, selbst Christ, im Namen von 15 weiteren Soldaten. Der Kommandant habe seine Untergebenen aufgefordert, die einfachen Soldaten auf ihren "Teil von Gottes göttlichem Plan" einzustimmen. Dabei soll er mehrfach aus der Offenbarung des Neuen Testaments zitiert und vom bevorstehenden Ende der Welt gesprochen haben.
Und das ist kein Einzelfall, berichtet Jonathan Larsen! Zwischen dem Angriffsbeginn am Samstag (28. Feber) und Montagabend sind mehr als 110 ähnliche Meldungen bei der Military Religious Freedom Foundation (MRFF) eingegangen. Betroffen seien über 40 Einheiten an zumindest 30 Standorten, heißt es. Die Organisation setzt sich seit 2005 für die Trennung von Staat und Religion im US-Militär ein.
Laut MRFF berichten viele Soldaten von einer regelrechten Euphorie in Teilen der Befehlsketten, wonach der Krieg als biblisch vorhergesagt und notwendig dargestellt werde. Ihre Sorge: Dieser religiöse Fanatismus zerstöre Moral und Zusammenhalt der Einheiten und stünde im Widerspruch zum abgelegten Eid auf die Verfassung.
MRFF-Präsident Mikey Weinstein spricht von einem gefährlichen Trend. Religiöse Überzeugungen hätten in offiziellen militärischen Anweisungen nichts verloren. Wer seine Autorität nutze, um Untergebene mit fundamentalistischen Endzeit-Vorstellungen zu beeinflussen, müsse zur Verantwortung gezogen werden.
Brisant ist auch die Rolle von "Kriegsminister" Pete Hegseth. Er hat im Pentagon regelmäßige Gebetstreffen eingeführt und nimmt an einem wöchentlichen Bibelkreis im Weißen Haus teil. Dessen Leiter predigt, Gott segne die Verbündeten Israels und verfluche dessen Feinde. Unterstützung für Israel wird dort religiös begründet.
Hegseth selbst spricht ebenfalls bei diesen Treffen und missioniert für seine persönlichen religiösen Überzeugungen. "Das ist … meiner Meinung nach genau das, was wir als Nation in diesem Moment brauchen, im Gebet, auf Knien, in Anerkennung der Vorsehung unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus", wird er zitiert.
Kritiker sehen darin eine gefährliche Vermischung von Politik, Militär und Glauben. Gerade in einer Armee, die der Verfassung verpflichtet ist, sorgt das für Sprengstoff. Für viele Soldaten geht es dabei nicht nur um Religion – sondern um die Frage, wem sie tatsächlich dienen.