Sie liegen überall herum - in Parks, auf Gehsteigen, Plätzen oder im Sommer am Strand. Zigarettenstummel sind weltweit der häufigste Müll. Doch was viele Menschen unterschätzen: Die kleinen Reste verschwinden nicht einfach, wenn man sie weggeworfen hat.
Eine in der Zeitschrift Langzeitstudie zeigt jetzt erstmals, was wirklich passiert, wenn Tschick-Stummel in der Umwelt landen. Forscher beobachteten über zehn Jahre hinweg, wie sich die Filter zersetzen - mit ernüchterndem Ergebnis.
Die meisten Filter bestehen aus Cellulose-Acetat, einem weich machenden Kunststoff mit 15.000 Mikrofasern (pro Filter). Dieser Stoff ist extrem widerstandsfähig. Zwar verlieren die Stummel in den ersten Wochen etwas Masse, doch danach verlangsamt sich der Abbau drastisch. Selbst nach zehn Jahren ist oft noch ein großer Teil vorhanden.
Je nach Umgebung bleibt sogar fast die Hälfte des Materials übrig. Besonders in Städten oder auf kargen Böden zersetzen sich die Filter kaum. In nährstoffreichen Böden geht es etwas schneller - aber auch dort verschwinden sie nicht vollständig.
Stattdessen passiert etwas anderes: Die Filter zerfallen in winzige Teilchen und verbinden sich mit Erde und Mikroorganismen. So entstehen rundliche, mikroskopisch kleine Klumpen - im Grunde eine neue Form von Mikroplastik im Boden.
Auch Giftstoffe im Tschick-Stummel sind ein Problem. Frische Zigarettenkippen setzen Nikotin, Schwermetalle und andere Schadstoffe frei. Diese können Wasserorganismen und Pflanzen schädigen. Zwar nimmt die Giftigkeit mit der Zeit ab, verschwindet aber nie ganz.
Besonders heikel: Während des Zerfalls kann die Wirkung sogar vorübergehend wieder stärker werden, weil neue Stoffe entstehen.
Mikroorganismen spielen beim Abbau zwar eine Rolle, schaffen es aber nicht, das Material vollständig zu zersetzen. Dafür ist die chemische Struktur der Filter einfach zu stabil. Fakt ist: Tschick-Stummel sind kein harmloser Müll, sondern ein langlebiger Umwelt-Schadstoff.