Jedes Jahr übernachten rund 47.000 Gäste im Hotel "Allegro" am Matzleinsdorfer Platz (Margareten). Der Betrieb mit rund 6.000 Quadratmetern verfügt auf sechs Etagen über 71 Zimmer und sechs Appartements. 2013 übernahm Architekt und Ziviltechniker Adil Lari das Objekt – fünf Jahre später begann eine wahre Baustellen-Odyssee, die laut Wiener Linien voraussichtlich erst 2030 beendet sein wird.
Denn seit 2018 wird am Matzleinsdorfer Platz eine neue U2-Station gebaut: "Der Planungsstand 2017 war, dass die Arbeiten 2024 beendet sein werden. Jetzt haben wir 2026 und sind noch immer auf drei Seiten von Baustellen umzingelt – am Margaretengürtel, am Matzleinsdorfer Platz und in der Grünwaldgasse. Wir verfügen über keine Informationen, wann wir mit der Beendigung der Baustelle rechnen können. Es fehlt uns damit die Planungssicherheit für unser Unternehmen", erklärt Lari im "Heute"-Gespräch.
Seit acht Jahren leidet der Hotelbetrieb bereits unter dem Baustellen-Lärm: "Wir mussten Gäste in andere Stockwerke verlegen. Einmal wurde ein Gast um 6 Uhr früh durch Baulärm geweckt. Er hat dann einen Stuhl aus dem Fenster geworfen. Danach kam eine Beschwerde der Wiener Linien, dass wir unsere Gäste davon abhalten müssen, sonst bekommen wir eine Anzeige. Außerdem wurde uns versichert, dass nicht in der Nacht gearbeitet wird, von 19. bis 22. Jänner haben sie dann doch in der Nacht gearbeitet."
Um das Fundament zu verstärken, wurde unter dem Gebäude eine sogenannte DSV-Säule errichtet: "Dadurch ist die Bodenplatte nach oben gegangen. Wir hatten sechs Mal eine Überschwemmung und danach Schimmelprobleme", meint Lari. Erfolgreich konnte er sich nur gegen ein Gerüst wehren: "Das wäre für uns der Todesschuss gewesen. Dafür wurden wir mit 20 Euro pro Zimmer entschädigt."
Auf Seite des Margaretengürtels wurde zudem eine Senkung des Untergrunds und damit des Gebäudes um 6,5 Zentimeter festgestellt: "Wir haben schon zum vierten Mal Risse – die Fliesen bröckeln teilweise ab. In einem Servicebetrieb wie unserem ist die Unterbringung unserer Gäste in Zimmern mit Wänden voller Risse unmöglich. Wir wollen, dass die Schäden schnell und ganz unbürokratisch behoben werden. Und nicht, dass das alles auf eine Versicherung abgewälzt wird und wir Jahre warten müssen", so der Geschäftsführer.
Doch seit Jahren würde die Kausalität der Schäden im Hotel mit der U-Bahn-Baustelle bestritten werden: "Zum Teil wird sogar von uns verlangt, die Beweise für die Schadensverursachung selbst anzutreten", kritisiert der Hotel-Chef. Lari hat daher selbst 2022 ein Gutachten zu "Schaden und Auswirkungen auf den laufenden Betrieb durch die U-Bahn-Baustelle" beauftragt. Im Gutachten wird der Schaden inklusive Kosten durch Bauschäden, Enteignung und Schadensminimierung auf über 1,4 Millionen Euro geschätzt.
"Da wir von den Wiener Linien immer wieder abgewimmelt wurden und das gerichtlich klären sollten, haben wir 2023 Klage eingereicht (gegen die Wiener Linien und zwei Baufirmen, Anm.), im März findet die nächste Verhandlung statt. Wir haben ja laufend Schäden, die letzten erst vor sechs Monaten. Zusätzlich belaufen sich die Sachverständigenkosten bereits auf etwa 120.000 Euro", so Lari.
Ein weiteres Problem: 2018 wurde der Zugang zum Hotel und den Parkplätzen gesperrt. "Nach unserem Konsensplan stehen uns fünf Parkplätze für Gäste als auch Mitarbeiter zur Verfügung. Durch die Baustellen ist die Zufahrt unmöglich. Zudem mussten wir einen neuen Hoteleingang errichten, weil der ursprüngliche aufgrund der Bauarbeiten gesperrt war", führt der Geschäftsführer aus.
Das Gebäude bzw. verschiedenste Teile davon wie die Fassade wurden enteignet: "Aufgrund des Enteignungsverfahrens haben wir unsere Gäste für die Baustelle tagtäglich nach der Frankfurter Liste zu kompensieren. Durch Preisnachlässe und Umsatzrückgänge haben wir bisher rund vier bis fünf Millionen Euro Verluste gemacht. Wir wollen den Betrieb aufrechterhalten und Arbeitsplätze sichern. Aber wir hängen seit acht Jahren in der Luft", so Lari.
Seitens der Wiener Linien heißt es auf "Heute"-Anfrage dazu: "Schäden, die Dritten durch die Bauarbeiten verursacht wurden, sind bei allen U-Bahn-Baustellen durch eine Haftpflichtversicherung gedeckt. Die Versicherungsleistungen werden direkt von der Versicherung abgewickelt. Dieser Prozess wurde auch beim Hotel 'Allegro' entsprechend eingehalten und jene Schäden, die durch den U-Bahn-Bau verursacht wurden, behoben und von der Versicherung übernommen."
Der Zugang zum Hotel sei jederzeit uneingeschränkt möglich: "Über eine eigens eingerichtete Ladezone können Hotelgäste sicher ein- und aussteigen und bei Bedarf wurden Hinweisschilder zur besseren Erkennung des Hoteleingangs aufgestellt. Um die Anrainer*innen und Hotelgäste möglichst wenig zu belasten, werden Baumaßnahmen weitestgehend untertags durchgeführt und zusätzliche Maßnahmen getroffen, wie zum Beispiel der Abtransport des Aushubmaterials über die Triester Straße."