Das "Team Wallraff" hat sich undercover bei den drei größten kommerziellen Jugendreiseanbietern in Lloret de Mar und Malgrat de Mar eingeschleust. Die Reporter und Reporterinnen wollten wissen: Wie gut schützen die Anbieter Jugendliche, wenn sie nachts durch Bars und Clubs ziehen? Sind die jungen Betreuer auf Notfälle vorbereitet? Und wie sehr spielt Alkohol eine Rolle, wenn das Geschäft von Partys und Ausflügen lebt? Die ganze Recherche zeigte RTL am Mittwoch um 20.15 Uhr, auch ist die Sendung auf RTL+ zu sehen.
Wie die Aufdecker zeigen, sehen die Reporterinnen bei allen drei Anbietern, dass Jugendliche trotz der spanischen Gesetze Alkohol bekommen. Bei einem Anbieter kümmert sich eine Reporterin als "Night Guard" um stark alkoholisierte Burschen und Mädchen. Besonders erschütternd: Eine junge Frau wird nach einer Party kaum ansprechbar ins Hotel gebracht. Sie liegt etwa eine Stunde in diesem Zustand auf einer Couch, bevor sie von mehreren Personen ins Zimmer getragen wird. Auf dem Weg dorthin bricht sie mehrmals zusammen.
Die Betreuerinnen haben Angst, sie so zurückzulassen, weil sie nicht in der stabilen Seitenlage bleibt und an ihrem Erbrochenen ersticken könnte. Sie sind unsicher, ob die junge Frau ärztliche Hilfe braucht und kontaktieren ihre Vorgesetzte. Ein Rettungswagen wird am Ende nicht gerufen. Die Chefin meint, der würde wegen Alkoholisierung sowieso nicht kommen. Der Anbieter äußert sich nicht zum Einzelfall, verweist aber auf "klare Handlungsvorgaben" für medizinische Notfälle. Die Mitarbeitenden seien "darin geschult, Gefahrensituationen zu erkennen und das vor Ort vorhandene medizinische System konsequent einzubinden".
Beim Umgang mit Alkohol gelten "in erster Linie die gesetzlichen Vorgaben des jeweiligen Reiselandes", heißt es. Von Praktiken, die diese Vorgaben umgehen oder die Sicherheit der Teilnehmenden gefährden, distanziere man sich ausdrücklich und gehe entsprechenden Hinweisen nach. Bei einer Begrüßungsveranstaltung erlebt eine Reporterin indes, dass Partys und Ausflüge immer wieder mit Alkohol beworben werden. Bei einem Katamaran-Ausflug heißt es zwar, für Minderjährige gibt es nur Softdrinks – gleichzeitig wird angedeutet, dass die Gäste "schlau" seien und sich da manchmal etwas einfallen lassen.
Eine Partynacht in Lloret de Mar wird mit besonders starken alkoholischen Mischungen angepriesen, die "anders schallern" würden, und Minderjährige bekommen den ausdrücklichen Hinweis, Alkohol beim Vorglühen im Hotel zu verstecken. Der Anbieter erklärt dazu, Ausflüge und Aktivitäten könnten "im Rahmen der anzuwendenden Jugendschutzgesetze und Vorschriften" auch Veranstaltungen mit speziellen Getränkeermäßigungen umfassen. Man sei zudem verpflichtet, bei Infoveranstaltungen "ausdrücklich auf die Hausordnung der Hotels" hinzuweisen, die Alkohol auf den Zimmern meistens verbiete.
Bei einer weiteren Party sollen Bänder kennzeichnen, wer Alkohol trinken darf. Trotzdem sieht Reporterin Julia im Sanitätsraum der Großraumdiskothek mehrere stark alkoholisierte Jugendliche, darunter auch unter 16-Jährige. Der Anbieter teilt auf Anfrage mit, detaillierte Fragen zu den Ereignissen aus der Saison 2025 ohne genauere Angaben nicht beantworten zu können. Grundsätzlich biete das Partyreisekonzept "mit den besten Standard in der Branche".
Die Recherche wirft auch Fragen zur Vorbereitung der meist jungen Betreuer auf. Vor ihrem Einsatz machen sie oft nur mehrstündige Online-Schulungen. Eine Reporterin muss wegen ihres kurzfristigen Einsatzes den verpflichtenden Erste-Hilfe-Kurs nicht nachweisen, auch ihr Strafregisterauszug liegt bei Arbeitsbeginn nicht vor – obwohl der Anbieter mit speziell geschulten Betreuern für Reisen mit Gästen ab 14 Jahren wirbt. Man erklärt, bei Betreuern mit besonderen Vorerfahrungen könne in Einzelfällen auf eine mehrtägige Schulung verzichtet werden. Stehe eine Reise kurz bevor, könne das einen begründeten Einzelfall darstellen.
Die Reporterinnen erleben auch Betreuer, die selbst Alkohol trinken, obwohl sie Jugendliche nachts begleiten und im Notfall helfen sollen. Eine Betreuerin berichtet, sie habe trotz Alkoholkonsums einen Jugendlichen ins Krankenhaus gefahren, weil ihre Kollegen noch betrunkener gewesen seien. Der Anbieter erklärt dazu, täglich würden mehrere Mitarbeitende eingeteilt, die keinen Alkohol trinken und nachts für Notfälle bereitstehen.
Brisant sind auch mehrere Verdachtsfälle auf K.-o.-Tropfen, denen laut den Reporterinnen nicht nachgegangen wird. Eine 16-jährige Teilnehmerin berichtet von Erinnerungslücken und vermutet, dass ihr etwas ins Getränk geschüttet wurde. Der Anbieter erklärt, für den Verdacht auf K.-o.-Tropfen gebe es "klare Meldewege": "Unsere Teamer:innen sind angehalten, solche Situationen unverzüglich an Mitarbeitende mit Entscheidungsbefugnis zu melden." Auch bei der Party eines anderen Anbieters entsteht bei mehreren Mädchen der Verdacht auf K.-o.-Tropfen.
"Team Wallraff" stößt auch auf Hinweise zu möglichen sexualisierten Übergriffen. In einem Fall erfährt eine Reporterin, dass eine 16-Jährige eine andere Minderjährige bei einer sexuellen Handlung gefilmt und das Video anderen gezeigt habe. Konsequenzen gibt es für das Mädchen offenbar keine. Der Anbieter äußert sich zum konkreten Fall nicht und erklärt, bestätigte Verstöße hätten Konsequenzen. Bei Minderjährigen würden grundsätzlich die Erziehungsberechtigten informiert und das weitere Vorgehen mit ihnen entschieden.